Hallo liebe Naschkatzen,
erstmal möchte ich mich bei euch allen für die tolle Unterstützung in den letzten Jahren bedanken, ihr seid super!
Ich habe mich auf diese "Rede" lange gefreut und heute ist der Tag, an dem ich sie hier preisgeben möchte.
Meine Abnehmkarriere war lang und begann schon früh. Als Kind war ich relativ normal gebaut, nicht dünn und nicht dick. Aber im Alter von 12-13 Jahren, legte ich enorm an Gewicht zu und wurde immer dicker. Die Hänseleien haben angefangen, ich wurde viel ausgelacht und stark beschimpft. Eines Tages - im Alter von 14 Jahren - bin ich morgens aufgestanden und hatte einfach keinen Hunger. Es gab dafür keinen Grund, ich erinnere mich nur daran, dass Sommerferien waren und es richtig heiß war. Dieses mangelende Hungergefühl hielt den ganzen Tag an und abends, als ich mich gewogen habe, habe ich festgestellt, dass ich durch diesen einen Tag schon 1 kg abgenommen hatte. Mit dieser Erkenntnis begann die schlimmste Zeit meines Lebens: die Magersucht.
Ich habe über einen Zeitraum von über 8 Wochen jegliche Nahrungsaufnahme komplett verweigert, habe aber schnell rausgefunden, wie ich meine Familie austricksen kann. Ich habe regelmäßig das Essen im Klo runtergespült, nur damit meine Mutter dachte, ich hätte etwas gegessen. In diesen 8 Wochen verlor ich 20 kg Gewicht. Aber dieses Austricksen klappte nicht lange und meine Mutter hat mich zwecks Therapie einweisen lassen. Da es bei mir keinen starken psychischen Grund für die Verweigerung des Essens gab, war die Therapie schnell beendet und ich hatte danach wieder richtig gesunden Appetit und hielt mein Gewicht über einen Zeitraum von 2 Jahren. Dann lernte ich meinen Freund kennen.
Bei uns zu Hause gab es nie viel Süßigkeiten, immer nur sehr wenig. Das war im Elternhaus meines Freundes anders: es gab Schokolade, Chips, Flips und das reichlich. Jeden Abend bediente ich mich ordentlich am immer gefüllten Regal. In dieser Zeit habe ich meine Ausbildung angefangen und hatte auch endlich mein eigenes Geld, was ich eigentlich komplett für Essen ausgegeben habe. Es gab so ziemlich jeden Mittag Pommes oder Pizza. Für den Nachmittag im Büro habe ich mir Cola, Schokolade und Chips gekauft und natürlich kamen die Pfunde schneller als erwartet. Innerhalb von einem Jahr nahm ich 30 kg zu.
Ich verstehe, in welche schwieriger Situation sich meine Mutter befunden hat und irgendwann sagte ich zu ihr, dass ich mich nicht mehr wohlfühle. Sie fragte mich, wieviel ich wiegen würde, aber das wusste ich nicht, da ich mich seit über einem Jahr nicht gewogen hatte. Aber in diesem Moment hat es Klick gemacht - ich wusste, so kann es nicht weitergehen. Ich habe lange überlegt, auf welchem Weg ich abnehmen wollte und kam zu der einzig schlauen Entscheidung in meiner Position: eine dauerhafte Ernährungsumstellung.
Nach 6 Wochen Verzicht auf Süßgikeiten, Pommes und Co. stellte ich mich das erste Mal auf die Waage: 79 kg. Mein Stargewicht ist geschätzt, aber so in dem Rahmen (85kg oder so) muss es gelegen haben, vielleicht auch etwas mehr.
Rückblickend muss ich sagen, dass es eigentlich recht einfach war. GU+ 10 % und ordentliches essen. Vollkorn statt Weißbrot, Wasser statt Cola, viel Obst und Gemüse, ab und zu Sport.
In dem ersten Jahr meiner Umstellung habe ich komplett auf Süßgikeiten verzichtet, also ich habe wirklich 1 Jahr weder Chips noch Schokoalde gegessen. Ihr denkt jetzt sicher, dass das zu extrem ist, aber bei mir geht es nicht anders. Ich werde niemals einen gesunden Umgang mit Süßigkeiten lernen, denn wenn ich Schokoalde aufmache, dann esse ich sie auch auf. Chipstüten halb leer in den Schrank stellen? Geht bei mir nicht. Ich musste also konsequent darauf verzichten und kann rückwirkend sagen, dass ich es sehr einfach fand. Auch andere körperliche Probleme wie Kopfschmerzen und Bluthochdruck verschwanden spurlos.
Ich habe mich in der Zeit der Umstellung neu entdeckt, ich wusste nie, dass ich so unglaublich ehrgeizig sein kann.
Nach einem Jahr gesunder Ernährungsumstellung waren ca. 22- 25 kg weg. Ich fühlte mich unglaublich gut, ging wieder gerne raus und hatte Spaß am Leben. Und das gute daran: ich war gesund! Ich hatte endlich einen Weg gefunden, auf gesunde und anhaltende Weise abzunehmen.
Nach diesem Jahr machte ich erstmal Pause, da ich mich mit 62-64 kg richtig wohl fühlte und wissen wollte, ob ich mein Gewicht halten kann. Das hat auch gut geklappt. Nach einem Jahr Pause hatte ich mich auf 63 kg eingependelt und konnte es mühelos halten.
Dann kamen psychische Probleme (wegen der Arbeit) und ich rettete mich wieder in die Süßigkeiten. Wieder das selbe: Chips, Schokolade, Pudding und Pizza. Jeden Tag. Nach 8 Wochen waren 8 kg wieder drauf.
Aber ich habe es gemerkt und dachte mir: das machst du dir nicht alles wieder kaputt! Statt zu essen, habe ich gegen die Probleme gekämpft und gewonnen. Mit 69 kg dachte ich mir: jetzt kannst du es schaffen und du willst es schaffen! Wie bereits zu Beginn meiner Umstellung war mein Ziel 55 kg. Heute morgen sagte die Waage 55.6 kg.
Ich bin am Ziel. Die letzten 600 gr interessieren mich nicht, denn ich gefalle mir jetzt endlich!
Ich bin unglaublich glücklich, dass ich mri selbst beweisen konnte, dass ich auch Großes schaffen und erreichen kann, wenn ich nur will. Ich würde sagen, dass ich ein anderer Mensch geworden bin.
Das einzige, was ich noch lernen muss ist, mich jetzt zu akzeptieren: mein Kopf ist bei der Abnahme noch nicht ganz mitgekommen, ich laufe manchmal am Spiegel vorbei und erschrecke mich, weil ich denke "Mensch, du bist endlich schlank". Aber auch das wird kommen.
Ich wollte euch nur mal von meiner Geschichte erzählen und all denen, die den Weg noch vor sich haben, Mut machen. Wenn man will, schafft man alles!
Ich hoffe, meine Geschichte ist euch nicht zu lang, aber ich konnte mich nicht kürzer fassen.
Ich danke euch für die Unterstützung!!