Erst einmal möchte ich ein herzliches „

“ in die Runde werfen

Ich bin schon sehr lange passive Teilnehmerin des Forums und habe mich an vielen Erfolgsgeschichten hoch gezogen wenn ich mal einen Hänger hatte und die Gefahr bestand mein Ziel aus den Augen zu verlieren. Nun möchte ich mit meiner Geschichte anderen Leuten Mut machen.
Im Grunde genommen kann man das was ich in meinem Leben bisher aufgrund meines Gewichts durchgemacht habe nicht in einen kurzen Text pressen, aber ich versuche mich möglichst kurz zu fassen und einfach einiges auszulassen; ich bin jetzt 24 Jahre alt und meine Diätkarriere begann eigentlich mit 10 Jahren, in Ansätzen sogar noch früher. Meine Eltern hatten große Angst, dass ich später mal Gewichtsprobleme bekommen könnte da ich leicht moppelig, aber keinesfalls übergewichtig war. Anlagen zum Übergewicht sind in der Familie jedoch vorhanden und das wollten sie mir ersparen. Leider haben sie dies auf eine falsche Art und Weise getan. Mein Vater machte sehr oft spitze Bemerkungen zu meinen „Röllchen“, nannte mich „im Spaß“ Tönnchen (man bedenke wie jung ich war) und man achtete penibelst auf meine Essrationen, so dass es nachher darin endete, dass ich mir als Jugendliche heimlich Essen/Sweets von meinem Taschengeld kaufte. Ich nahm also zu und wog als ich 16 war bei 176cm 89kg was eindeutig zu viel war. Ich durchlebte Hänseleien in der Schule und war mit mir absolut unzufrieden. Ich fühlte mich in meinem Körper sehr unwohl und begann eine Diät, die eher in einer Hungerkur endete. Ich aß nichts warmes mehr, nur noch Brot und nahm so innerhalb kurzer Zeit 20kg ab und hielt dies etwas über ein Jahr. Wenn ich in der Zeit mal „sündigte“ erbrach ich es wieder, da ich so ein schlechtes Gewissen hatte. Als ich dann 17 war lernte ich meinen ersten Freund kennen und der wollte mich von meinem gestörten Essverhalten abbringen. Er schaffte es auch durchaus, dass ich kurzzeitig wieder relativ normal aß, aber es letztendlich darauf hinaus lief, dass ich irgendwie die letzten Jahre Hungerphasen wieder aufholen müsste und stopfte wahllos essen in mich hinein. Es waren nachher unmenschliche Mengen. Jeden Tag Fastfood und Süßigkeiten…es gab für mich keine andere Beschäftigung mehr als essen. Die einzelnen Phasen meiner Zunahme muss ich hier nicht ausführlicher beschreiben, aber letztendlich endete es mit 21 Jahren bei einem Gewicht von 152kg.
Ich isolierte mich in der Zeit mehr und mehr von der Umwelt, schwänzte nachher pausenlos die Schule und schaffte aber Gott sei Dank mit Ach und Krach noch das Abitur. In der Zeit nach meinem Abschluss ging ich zwei Jahre GAR NICHT MEHR raus… es zwang mich ja nichts mehr in die Öffentlichkeit. Ich fing kein Studium an, keine Ausbildung…nix…einfach weil ich es nicht konnte. Ich litt zwar unter der Isolation, aber es war ein Teufelskreis. Ich sah so aus…ich schämte mich…ich blieb zu Hause und mied gesellschaftliche Konfrontationen. Im Endeffekt hatte ich auch keine Freunde mehr, da ich mich ja komplett von allen und allem abschottete. Hatte nur noch meinen Freund, der aber auch nur aus Pflichtgefühl bei mir blieb. Es mag für jemanden unvorstellbar sein, dass man wirklich gar nicht mehr aus dem Haus geht, aber es war tatsächlich so. Ich hatte meinen Freund der mir Erledigungen abnahm und mich „versorgte“. Ich war im höchsten Maße depressiv und hab nicht nur einmal versucht mir das Leben zu nehmen. Der Kontakt zu meinen Eltern war derzeitig miserabel. Man stritt nur, weil sie verständlicherweise wollten, dass ich was aus meinem Leben mache und was an mir ändere. Ich mied den Kontakt mit ihnen um weiter vor mir her zu dümpeln. Es war eine grausame Zeit!!! Mir können jetzt noch die Tränen kommen wenn ich an meine damaligen Gefühle zurückdenke. Es war ein reines dahinvegetieren.
Im April 2004 gab es bei mir den Schlüsselpunkt. Ich wollte und konnte so nicht mehr weiterleben. Ich sagte mir: „Entweder du änderst jetzt rigoros etwas, oder du machst hier wirklich Schluss mit deinem Leben“. Ich entschied mich fürs erste und startete von heute auf morgen einen erneuten Abnehmversuch, der aber diesmal erfolgreich sein sollte. Ich stellte meine Ernährung um und orientierte mich ein wenig nach dem Weight Watchers Konzept. Und siehe da; es klappte! Ich nahm ab und es ging anfangs auch recht schnell. Als es dann langsamer ging muss ich zugeben, dass ich leider wieder in den alten „Hungertrott“ verfiel und das auch streckenweise heute noch habe. Nach einem Jahr seit Beginn meiner Abnahme entschloss ich mich mein Studium 2005 zu beginnen. Ich hatte bis dahin über 40kg abgenommen, war immer noch dick, aber ich wollte mich meiner Angst stellen, damit nicht noch ein verschwendetes Jahr ins Land zieht. Es kostete mich große Überwindung, aber letztendlich war es gut, dass ich es getan habe. Ich fing wieder an zu LEBEN!
Mit meinem Studienbeginn änderte sich mein ganzes Leben. Ich lernte wieder Menschen kennen, wurde intellektuell gefordert (es erschrak mich selbst wie man in so einer isolierten Zeit so simple Dinge wie die Kommunikation/das Sprechen/Ausdrucksvermögen verlernen kann!!!!), zog aus meiner Heimat weg und musste selbstständig werden…es tat mir soooo gut. Und ich nahm im nächsten Jahr noch mal 30kg ab.
Ich muss zugeben: ich hatte und habe ab und an mit Fressanfällen zu kämpfen und erreichte mein Gewicht nicht 100%ig auf eine gesunde Art und Weise…aber nach der zweijährigen Abnahmephase (bis 2006), konnte ich mein Gewicht immerhin mit geringen Schwankungen bis heute halten. Ich wiege momentan 75kg und ich kann durchaus wieder „normal“ essen ohne sofort ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Ich hab Phasen da esse ich „normal“ und dann hungere ich mal wieder eine zeitlang. Aber ich habe mich daran gewöhnt. Ich bin mir aber im Klaren darüber, dass ich da definitiv noch an mir arbeiten muss.
Dies war meine Abnehmgeschichte. Heutzutage habe ich mit den enormen Rückständen meiner Gewichtsreduktion zu kämpfen. Mein Körper ist wirklich eine Katastrophe. Da ich so sehr darunter leide und es wirklich meinen Alltag beeinträchtigt, habe ich mich Anfang des Jahres nach langer Zeit des Zögerns und der Angst vor diesem Schritt, entschieden mich bei einem plastischen Chirurgen beraten zu lassen. Ich bekam Zuspruch von allen Seiten und nun steht aktuell die Entscheidung der Krankenkasse bevor, ob die Kosten übernommen werden oder nicht. Ich habe viele Arztbesuche hinter mir, einen MDK Termin, der Gott sei Dank sehr vielversprechend war und nun warte ich auf die Post der KK. Es sind drei Operationen geplant (Oberarme und Schenkel, Bodylift und Brüste). Ich wünsch es mir so sehr um mit meiner Vergangenheit endlich abschließen zu können. Ich möchte ebenfalls eine Therapie machen, in der ich mein Erlebtes verarbeiten kann, denn es kommt doch noch manchmal hoch wenn es mir schlecht geht. Ich denke ich bin auf einem guten Weg und wünsche mir, dass ich den Schritt der OPs gehen kann um meinem Ziel wieder ein Stückchen näher zu kommen.
Ich bedank mich bei allen die die Geduld hatten meinen Text zu lesen

Ist doch etwas länger geworden, aber es tat auch irgendwie gut sich das mal von der Seele zu schreiben…An alle: Auch wenn eure Situation noch so ausweglos erscheint, lasst den Kopf nicht hängen auch wenns schwer ist. Ich bin mir jetzt sicher, dass ich ALLES schaffen kann. Nichts ist unmöglich wenn man es wirklich will. Wünsch euch ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen.
Ganz lieben Gruß, Eure
Honey83
