Ich bin 40 Jahre alt und habe mich im Februar 2007 in einem physisch und psychisch schlechtem Zustand befunden. Mein damaliges Gewicht hatte 115,5 KG bei 1,87 Meter Größe betragen.
Der physisch schlechte Zustand kam durch einen Nierenstein / Nierenkolik zum Ausdruck.
Psychisch habe ich mich in einer Mühle befunden, zwischen immer höherer sportlicher Aktivität und der durch den Sport zu rechtfertigenden enorm hohen Kalorienzufuhr. Ich bin zu der Zeit 10 KM in 60 Minuten gelaufen, ohne durch das Training einen nennenswerten Effekt auf das Gewicht zu erreichen. Im nachhinein habe ich wohl Glück gehabt, dass ich nicht umgekippt bin. Das einzige was ich erreicht habe, war ein Selbstbetrug, bei dem ich mir eingeredet habe, dass ich wohl kein Gewichtsproblem habe, wenn ich doch so schnell laufen kann.
Was ich an mir gehasst habe, war mein dicker Bauch mit einem Umfang von 116 cm. Niemals konnte ich mich in Profil betrachten.
Schlimm war die permanente schlechte Laune, ausgelöst durch den ständigen Hunger, mit der ich meine Umwelt belastet habe. Ich war praktisch vom Hunger, Zwang essen zu müssen bestimmt. Das möchte ich nie wieder erleben.
Irgendetwas musste ich also tun.
Im Februar las ich einen Zeitungsartikel, in dem über Mark Warnecke und seine Gewichtsprobleme berichtet wurde. Da ist es mir in den Sinn gekommen, dass ich nur durch Sport mein Problem niemals in den Griff bekommen werden, wenn ein Schwimmweltmeister das Problem trotz Sport hat. Der Mark Warnecke hat für sich eine Diät entwickelt, die von einer Berliner Krankenhausgesellschaft in modifizierter Form verkauft wird.
Das war genau das, was ich gesucht habe.
Am 09.03.2007 habe ich dort mit neun weiteren Teilnehmern eine Gruppentherapie begonnen. Wir haben ausdrücklich keine gemeinsame Diät angefangen, sondern versuchen eine komplette Veränderung unserer Ernährungsgewohnheiten hinzubekommen.
Das Programm basiert auf einer Gewichtreduktion durch Formulakost auf Eiweißbasis (mit Milch vermengt), die in den ersten zwölf Wochen zwei Mahlzeiten und den folgenden zwölf Wochen noch eine Mahlzeit ersetzt. Die freien Mahlzeiten konnten völlig frei gewählt werden. Ich habe mich in den ersten zwölf Wochen über den Tag ausschließlich von der Formulakost ernährt und das Abendessen frei gewählt. Spannend war für mich die Erkenntnis, dass ich über den Tag mit 800 Kal. kommen kann, ohne wirklichen Hunger zu verspüren um danach das warme Abendessen wirklich zu genießen.
Während der ersten zwölf Wochen dürfte meine durchschnittliche Kalorienzufuhr bei ca. 2.200 Kal. gelegen haben. Jetzt nehme ich ca. 2.700 Kal. zu mir.
Die erste Woche des Programms habe ich genutzt, um mich von vielen kleinen Dingen zu trennen, die zwar dick aber nicht satt machen. Das waren z.B. Cola, Ketchup, Kräuterbutter, Cheeseburger (zwischendurch), Schokoladenkekse. Ich hatte bisher kein Verlagen nach diesen Dingen. Die Erinnerung an den Geschmack verblasst zum Glück auch immer mehr. Die koffeinhaltige zuckersüße Brause habe ich als meinen schlimmsten Feind ausgemacht und werde nie wieder in meinem Leben einen Tropfen davon trinken.
Der zweite und wesentliche Punkt des Programms sind für mich die alle zwei Wochen stattfindenden psychologischen Gruppensitzungen. Dort habe ich ungemein viel über mich und das Leben gelernt. Sehr angenehm ist auch, dass ich dort Gesprächspartner habe, die verstehen von was ich Rede wenn es um Probleme dicker Menschen geht.
Außerdem haben wir alle zwei Wochen interessante Kurse bei einer Ernährungsberaterin.
Als vierten und letzten Baustein treiben wir wöchentlich 60 Minuten Sport zusammen. (Aquagymnastik / Nordicwalking / Turnen)
Zudem fahre ich jeden Tag 90 Minuten mit den Fahrrad zur Arbeit. Das dürfte zusammen mit der Reduzierung der Kalorienzufuhr das Geheimnis der verloren Pfunde sein.
Nun sind 6 Monate um und ich habe 25 KG verloren.
Was hat sich verändert?
Ich bin nicht mehr vom Hunger bestimmt und will nie wieder vom Hunger bestimmt sein.
Ich genieße jeden Tag, die veränderte Aufmerksamkeit die mir von anderen Menschen entgegengebracht wird.
Ich esse viel bewusster.
Ich kann mein Essen wieder genießen.
Ich habe meinen Geschmack wieder gefunden.
Ich genieße den Einkauf von Kleidung. (-4 Kleidergrößen)
Ich bin nicht mehr so müde wie vor sechs Monaten. Die Müdigkeit kam wohl von den ständigen Verdauungsprozessen.
Die von mir vertilgten Mengen an Essen (insb. Schokolade) erscheinen mir im Rückblick absurd.
Allerdings ist nicht alles Gold. Das neue Verhalten ist natürlich noch nicht fest im Kopf verankert. Jeden Tag habe ich Respekt davor, schleichend in alte Verhaltensmuster zurückzufallen und früher oder später wieder am Anfang zu stehen.
Hoffentlich bleibt mir das erspart.
Zielgewicht erreicht heißt für mich, das ich das vorher von mir festgelegte Wunschgewicht jetzt erreicht habe. Keinesfalls werde ich jetzt die Gelegenheit nutzen um wieder das alte Verhalten aufleben zu lassen. Warum auch! Sollte ich jetzt noch weiter abnehmen, habe ich auch kein Problem.
Vielen Dank fürs Lesen