Berlin (ddp). Venenleiden sind eine Volkskrankheit. Rund 22 Millionen Menschen sind in Deutschland davon betroffen, schätzt die Deutsche Venen-Liga. Während Besenreiser überwiegen ein Frauenproblem sind, kommen Krampfadern - wenn auch seltener - auch an Männerbeinen vor. Besenreiser sind Experten zufolge lediglich ein kosmetisches und kein medizinisches Problem. Anders Krampfadern, die in manchen Fällen Besenreisern zum Verwechseln ähnlich sehen: «Krampfadern können harmlos sein; sie können aber auch chronische Komplikationen bis hin zu offenen Beinen oder lebensgefährliche Thrombosen nach sich ziehen», warnt Eva Haas, Chefärztin der Fachklinik für Venenleiden Abtsee. Im Gegensatz zu Besenreisern betreffen Krampfadern nicht nur kleinste Blutgefäße in der Haut, sondern Venen, durch die das Blut zum Herzen zurückgeleitet wird. Fließt das Blut langsamer, staut es sich in den Beinen und drückt gegen die Venenwände. «Weiten sich die Venen, schließen die Venenklappen, die normalerweise einen Rückfluss in die Beine verhindern, nicht mehr richtig», erklärt Haas. Effekt: Das Blut staut sich noch mehr, Krampfadern entstehen, der Blutfluss zum Herzen ist gestört. Krampfadern entwickeln sich langsam. Die ersten Vorboten werden meist im Alter zwischen 20 und 30 Jahren sichtbar; Schwangerschaften beschleunigen den Prozess. Auch Übergewicht und Bewegungsmangel begünstigen die Krampfaderbildung. Doch woher weiß ich, ob eine Krampfader harmlos ist oder nicht? «Sobald sich Beschwerden wie schwere Beine, geschwollene Füße, Jucken, Wadenkrämpfe oder Entzündungen einstellen, sollte der Hausarzt oder ein Phlebologe, das heißt ein Venenspezialist, konsultiert werden», rät Haas. Er kann feststellen, ob eine Operation medizinisch erforderlich ist. Unter Umständen reiche eine symptomatische Behandlung mit Kompressionsstrümpfen. Und was kann der Betroffene selber tun? «Einmal entstandene Krampfadern bilden sich nicht mehr zurück», sagt Haas. Wichtig sei, den Blutfluss in den Venen zu unterstützen. «Sportarten wie Radfahren, Walking und Schwimmen sind ideal, um die Durchblutung zu fördern und das Bindegewebe in den Beinen zu stärken», erklärt Haas. Ist das Bindegewebe fest, kann sich die Vene nicht so leicht weiten. Langes Stehen oder Sitzen - insbesondere mit übereinander geschlagenen Beinen - stellen die Venen auf die Probe. «Werden die Beine ausgestreckt und oder hochgelegt, kann das Blut leichter zum Herzen zurückfließen, da es nicht zusätzlich gegen die Schwerkraft arbeiten muss», sagt Haas. Bei warmer Witterung leiden besonders viele Menschen an geschwollenen Beinen. «Wärme weitet die Gefäße; das Blut staut sich, und die Beine schmerzen», erklärt Haas das Phänomen. Ihr Tipp: An heißen Tagen auf lufige, bequeme Kleidung achten. Mit Blick auf lange Reisen in der Ferienzeit raten die Experten der Venen-Liga, bei Autofahrten öfter mal Pause zu machen und die Beine zu bewegen, um die Durchblutung in Schwung zu halten. Im Bus oder Flugzeug ist ein Sitzplatz im Gang vorteilhaft. Hier lassen sich die Beine ausstrecken. Durchblutungsfördernde Fußgymnastik ist auch auf engstem Raum möglich. Der Rat der Chefärztin: «Immer wieder mit den Zehen wippen und die Füße kreisen lassen.»
quelle: netdoktor.de