Hallo, ich mache traditionelles Taekwondo. Traditionell heisst, es gibt keinen Kontakt, also auch Zweikämpfe sind sozusagen 'gestellt', man bremst den Kick immer kurz vorm Gegner ab. Soviel als Vorbemerkung, da die meisten Kampfsportrichtungen ja auf Kontakt ausgelegt sind.
Kampfsport wird ja vom Sportverein bis zu privaten Schulen überall angeboten, und ich denke es ist sehr verschieden, zB Taekwondo gibt es auch als Vollkontaktvariante (mit und ohne(!) Körperschutz) und alles dazwischen. Und je nachdem sind es eben auch die Schulen und Mitschüler. Ich würde Dir auf jeden Fall raten, Dir mehr als eine Schule anzuschauen, (oder auch einen Verein) da die unterschiedlchen Varianten einfach sehr unterschiedlich praktiziert wird.
So, nun genug der Vorrede. Das Training ist in der Tat recht anstrengend, aber dass muss es auch sein, da bei uns eben alle Gürtelfarben (von schwarz bis weiss) in der Stunde mit dabei sind. Es ist also durchaus ok, wenn man als Weißgurt (=Anfänger ) manches langsamer macht, oder dann eben das Bein bei den Kicks nur noch halb so hoch hebt, wie es eigentlich ginge, damit man von der Kondition her noch hinkommt. So habe ich das lange gemacht, da ich auch mit einer furchtbar schlechten Kondition angefangen habe. Es kommt aber immer wieder mal vor, dass in der Stunde eine Einheit Liegestützen (20+) oder Crunches (gestern waren es 100) drankommt. Liegestützen mache ich dann manchmal nur halb (also auf den Knien aufstützen), wenn ich merke, dass es zu anstrengend wird.
Bislang habe ich es so erlebt, dass der Trainer das ok findet, so lange man sich Mühe gibt. Wenn man mit hochrotem Kopf dasteht, kann man eben einfach nicht mehr.
Was ich also sagen möchte: wenn der Trainer so ein Verhalten ok findet, dann kannst du sicherlich an den Stunden teilnehmen. Du wirst aber nicht alles so schnell (so hoch so oft) mitmachen können wie dieAnderen, aber das wird sich bald ändern.
Ein anderer Punkt, bei dem ich richtige Probleme habe ist das Hochspringen : ich habe das Gefühl ich bin einfach zu schwer (bin nur 1.62 groß), um überhaupt mal in die Luft zu kommen. Allerdings ist das in den letzten Wochen endlich besser geworden - also habe ich da jetzt auch mehr Muskeln aufgebaut. Ich freue mich schon, wenn ich abgenommen habe - denn da muß ich dann ja eine enorme Sprungkraft haben.
Damit du es besser einschätzen kannst, erzähle ich dir mal, wie ein Training bei uns abläuft. Übrigens solltest du dann mindestens zweimal, besser drei- oder viermal die Woche gehen. Ich habe das Gefühl, dass einmal die Woche fast zu wenig ist, um seinen Stand zu halten, und man richtige Fortschritte erst dann macht, wenn man dreimal oder öfter geht. Das ist übrigens ein Vorteil der privaten Schulen: meist ist jeden Abend und Samstag vormittag Training, in größeren Schulen sogar mehrfach pro Abend - da kann man sich nach Lust und Laune die Zeit selber einteilen.
Ein Training dauert bei uns eine gute Stunde, davon sind vielleicht 40 Minuten Einzelübungen, d.h. der Trainer macht vor, alle machen nach.
Aufwärmübungen werden immer in 10-Einheiten gemacht, also jeder zählt der Reihe nach laut bis zehn. Also zehnmal linkes Bein hoch, zehmal rechtes Bein hoch, zehnmal linkes Bein hoch, ..., Sehr beliebt sind auch Hampelmänner. Ehrlich! Da kommen im Lauf einer Stunde weit über hundert zusammen. Gemeinsam mit Dehnübungen etc. sind das alles Aufwärmübungen. Zwischen diesen Übungen sind Technikübungen, bei denen ein Kick, oder ein Block oder eine Schlagtechnik geübt wird. Oft auch in Kombination miteinander. Erst langsam, dann immer schneller (sofern man es kann, auch da kann man dann immer langsamer machen.) Und dann in Kombination. Erst langsam. Und schnell... da kommen auch sicherlich viele Wiederholungen zusammen. Ein guter Trainier wechselt hier anstrengende) und langsamere, techniklastigere Übungen miteinander ab.
Die restliche Zeit der Stunde ist für Partnerübungen (meist Freikampf, jeder abwechselnd immer 1,2,3 Kicks) reserviert. Auch hier gilt; die höheren Gürtel mahcen mehr, die niedrigen können sich auch mal ausruhen und den anderen zuschauen.
Also Fazit: Etwas Kondition solltest du schon mitbringen, und Kraft kann auch nicht schaden. Welchen Sport hast du denn bislang gemacht?
Wichtig ist der Wille zum Durchhalten und Dich durchkämpfen! Typischerweise sind Kampfsportler wie alle Sportler schlank, doch im Training habe ich auch schon den einen oder anderen 100kg Mann gesehen. Die Beweglichkeit brauchst du vorher nicht, die stellt sich schon selber mit der Zeit ein. Bei uns sind auch viele, die erst mit 20 oder 30 angefangen haben, und die waren anfangs alle extrem unbeweglich - aber das ist vielliecht gar nicht so blöd, denn dann sind Bewegungen nicht so anstrengend

, also das ist glaube ich egal. Aber (siehe Einleitung) es hängt sicherlich stark von der Schule, dem Trainer und den anderen Schülern ab. Daher ausprobieren. Wenn du an einen 'Qäl dich du Sau, und unter 100 Liegestützen geht keiner heim' Trainer gerätst, dass wäre wohl nicht so passend.