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  1. #1
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    Motivationskrise

    Hallo allerseits,

    nach 3 Monaten harter und entbehrungsreicher Diät und ca. 20 kg Gewichtsverlust bin ich in ein Motivationsloch gefallen.
    Einerseits freue ich mich natürlich über meinen bisherigen Erfolg und das verbesserte Körpergefühl, andererseits beginne ich aber all die schönen Sachen zu vermissen, die ich früher gegessen habe und die ich jetzt weg lasse (Döner, Pizza & Co.).
    Und das ist der Knackpunkt: einerseits würde ich gerne mein Gewicht halten bzw. noch weiter reduzieren, andererseits weiss ich, dass ich das nur schaffen kann, wenn ich mich weiter gesund ernähre. Und das bedeutet eben die ganzen leckeren aber kalorienreichen Sachen weiterhin wegzulassen und das auf Dauer.
    Ich habe mich zwar mit ein paar Kilo mehr gesundheitlich nicht immer wohlgefühlt, dafür ging es mir aber seelisch besser, da ich nach Lust und Laune geniessen konnte. Wenn ich mir jetzt überlege, dass ich den Rest meines Lebens fast wie ein Mönch leben muss, um mein Gewicht zu halten, stellt sich mir die Sinnkrise.
    Kennt jemand von euch diesen inneren Konflikt und wie geht ihr damit um?

    Liebe Grüße
    Heinz

  2. #2
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    Zitat Zitat von heinz2404 Beitrag anzeigen
    einerseits würde ich gerne mein Gewicht halten bzw. noch weiter reduzieren, andererseits weiss ich, dass ich das nur schaffen kann, wenn ich mich weiter gesund ernähre. Und das bedeutet eben die ganzen leckeren aber kalorienreichen Sachen weiterhin wegzulassen und das auf Dauer.
    Nö, find ich nicht. "Gesunde Ernährung" heißt nicht, daß man niemals Pizza oder Döner essen darf - Pizza und Döner sollten nur nicht die Grundlage der täglichen Ernährung darstellen. Grundlage sollte eine vernünftige, ausgewogene Ernährung sein, damit die Nährstoffversorgung stimmt, aber ein Tag, an dem mal die Hälfte der Tageskalorien für ne Pizza draufgeht, haut niemanden um.
    Und wenn es kalorientechnisch doch mal zuviel wird, gibt es ja immer noch die Möglichkeit, durch Aktivität den Verbrauch zu steigern. Du bist nicht besonders klein und nicht besonders leicht, Du kannst schon mit moderaten Aktivitäten wie Spazierengehen/Wandern, Schwimmen oder Radfahren einen beträchtlichen Pro-Stunde-Verbrauch erzielen, da muß gar kein Leistungssport her.

    Hast Du Dir mal ausgerechnet, wie lange Du schwimmen, wandern oder radfahren müßtest, um 1000 kcal zu verbrauchen? Ich verbrauche z. B. beim Wandern - je nach Tempo und Geländebeschaffenheit - zwischen 300 und 400 kcal pro Stunde, beim Schwimmen zwischen 300 und 350. Du bist 5 cm größer als ich, 30 kg schwerer und ein Mann, Du solltest also deutlich mehr verbrauchen. Da ist der Gegenwert einer Pizza doch wirklich leicht zu erwirtschaften.

    Vielleicht solltest Du, statt Dich auf den Verzicht zu konzentrieren ("verzichten" ist auf Dauer ja doch eine recht unbefriedigende Tätigkeit, wenn man da nicht gerade spirituelle Erfüllung drin findet), lieber schauen, wie Du das, worauf Du nicht ganz verzichten willst, sinnvoll und in Maßen einbauen kannst, ohne abnehmtechnisch aus dem Tritt zu geraten. Mal ne kleine Wanderung oder Radtour am Wochenende, und anschließend gibt es dann Pizza? Oder Du zwackst an manchen Tagen - wo Du vielleicht sowieso viel um die Ohren hast und gar nicht soviel ans Essen denkst - was von Deinem Kalorienkontingent ab und sparst es Dir für einen "unvernünftigen" Tag auf? Manche Leute betreiben das mit System und nennen es auf Neudenglisch "Calorie Cycling", es funktioniert aber auch ohne die schicke Bezeichnung.
    Viele Leute kommen damit besser klar, als wenn sie jeden Tag ein gleich großes Defizit erzielen, und ich glaube gar nicht mal, daß das so sehr viel mit dem vielbeschrienen "Stoffwechsel" zu tun hat ... Ich denke, das Gefühl, nicht jeden Tag verzichten zu müssen, sondern auch mal sorglos 3000 kcal verfuttern zu dürfen, spielt eine viel größere Rolle.

    Wichtig ist nur, danach wieder in die Spur zu kommen und nicht gleich den nächsten Ausnahmetag dranzuhängen und dann noch einen ... Da muß halt jeder selbst schauen, wie er am besten auf Kurs bleibt. Das ist wie bei Süßigkeiten: Manche Leute können nur "ganz oder gar nicht" und verzichten lieber völlig darauf, weil sie sonst die Kontrolle verlieren; andere setzen sich ein Limit pro Tag oder erlauben sich an einzelnen Wochentagen das Naschen (in Maßen). Und mit jeder dieser Methoden nehmen Leute erfolgreich ab. Naturschlanke Menschen leben doch auch nicht alle völlig Pizza-abstinent, also muß Pizza und Normalgewicht schon auch irgendwie zusammengehen können.
    Geändert von Fenja74 (21.07.2017 um 08:45 Uhr)
    Im Gedenken an meinen inneren

    † Schweinehund †

    Erschlagen von einer Kettlebell im Frühjahr 2013. Die Beisetzung erfolgte in aller Stille. Niemand wird ihn vermissen. Kein Geistlicher hat ihn begleitet.


  3. #3
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    Ja, dieses "ganz oder gar nicht" ist mein Problem. Ich würde das mit einem trockenen Alkoholiker oder Ex-Raucher vergleichen: wenn ich mal sündigen und mir einen Döner gönen würde, wäre ich wieder da wo ich angefangen habe, nämlich bei einer ungesunden Lebensweise. Ich gehöre eben zu der Fraktion die nur ganze Sachen macht und keine halben.

  4. #4
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    Zitat Zitat von heinz2404 Beitrag anzeigen
    Ja, dieses "ganz oder gar nicht" ist mein Problem. Ich würde das mit einem trockenen Alkoholiker oder Ex-Raucher vergleichen: wenn ich mal sündigen und mir einen Döner gönen würde, wäre ich wieder da wo ich angefangen habe, nämlich bei einer ungesunden Lebensweise. Ich gehöre eben zu der Fraktion die nur ganze Sachen macht und keine halben.
    Ah, ok. Ja, das gibt es. Mit Pizza und Döner kannte ich das noch nicht, eher mit Süßigkeiten, weil Zucker eben bei manchen als Suchtmittel wirkt - aber Menschen sind nun mal verschieden.

    Dann muß eine andere Befriedigung her. Daß Leistungssport für Dich ausfällt, hatten wir schon andernorts festgestellt (das wär sonst eine echte Option gewesen) ... Schon mal versucht, das Essen, das Du vermißt, in "gesund und abnehmtauglich" nachzubauen? Ich würde stark vermuten, daß das nicht den gleichen Suchtfaktor hätte, die Frage ist nur, wie befriedigend es sein kann. In Sachen Döner kann ich nicht mitreden, ich lebe seit über 30 Jahren vegetarisch und habe noch nie in meinem Leben Döner gegessen (vor über 30 Jahren gab's das noch nicht an jeder Ecke zu kaufen), aber Pizza ist ja nicht zwingend eine ungesunde Kalorienbombe.
    Mein Ehemaliger war für manches noch so gesunde, kalorienarme Körnerfutter zu begeistern, sobald da irgendwie Käse drin vorkam oder es - idealerweise - mit Käse überbacken wurde. Das brauchte auch gar nicht besonders viel Käse zu sein. Und wenn eine sättigende Portion einer Hauptmahlzeit unter 400 kcal hat, dann kann man auch noch 100 kcal in Form von Käse draufpacken, das ist dann immer noch eine kalorienarme Mahlzeit. Mit Genuß-Faktor.

    Also ich würde am ehesten in der Richtung anfangen zu experimentieren. Wenn Fastfood ein Suchtmittel ist, dann gibt's eben kein Fastfood mehr, aber ich denke, eine selbstgemachte Pizza hätte nicht denselben Suchtfaktor wie eine vom Pizzataxi oder aus der Tiefkühltruhe. Jedenfalls muß man nicht asketisch leben, um ein gesundes Gewicht zu erreichen und zu halten.

    Die nächste Frage wäre natürlich, wofür das Essen steht und warum es Dir seelisch besserging, als Du Dich körperlich mit Essen krankgemacht hast ... Das kenne ich z. B. gar nicht, bei mir ist das umgekehrt: Ich fühle mich seelisch besser, wenn ich auch mit meinem Körper gut umgehe. Wenn ich es mir wert bin, mich gut zu ernähren, mir Zeit für meinen Sport nehme usw. Da sehe ich eine gewisse Logik drin, schließlich lebe ich in diesem Körper, und da ist es doch schöner, wenn der sich gut anfühlt. Früher habe ich Nichtessen benutzt, um meine Gefühle abzuschalten, manche Leute benutzen Überessen zu einem ähnlichen Zweck ...
    Aber wir wollen ja hier niemanden auf die Couch legen. Zweifellos hat Essen auch einfach was mit Genuß zu tun, und Genuß sollte auch in abnehmtauglich zu haben sein. Hier sind doch Leute, die ihr - abnehmtaugliches - Essen fotografieren und Rezepte online stellen. Vielleicht kannst Du Dir da mal Inspiration holen und Dir irgendwas richtig Leckeres nachkochen?
    Geändert von Fenja74 (21.07.2017 um 11:34 Uhr)
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  5. #5
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    Zitat Zitat von heinz2404 Beitrag anzeigen
    Ja, dieses "ganz oder gar nicht" ist mein Problem. Ich würde das mit einem trockenen Alkoholiker oder Ex-Raucher vergleichen: wenn ich mal sündigen und mir einen Döner gönen würde, wäre ich wieder da wo ich angefangen habe, nämlich bei einer ungesunden Lebensweise. Ich gehöre eben zu der Fraktion die nur ganze Sachen macht und keine halben.
    Viele Leute (ich eingeschlossen) entdecken völlig neue Eigenschaften an sich, wenn die Abnahme erstmal richtig ins Rollen gekommen ist. Du machst das Ganze ja jetzt schon seit drei Monaten, also hast du dich doch mittlerweile daran gewöhnt und weisst, wie der Hase läuft. Da sollte es doch machbar sein, mal ne Ausnahme zu machen und danach wieder wie gewohnt weiterzufahren. Ich weiss, dass es überhaupt nicht das ist, was du hören wolltest, aber ehrlich gesagt mach ich mir ein bisschen Sorgen, dass die Extremität deiner Selbstkasteiung auf Dauer nicht gut für dein seelisches Wohlbefinden ist. An dieser Stelle möchte ich dir übrigens noch ganz herzlich gratulieren: 20 Kilo in drei Monaten, das ist nicht nur super, das ist der nackte Wahnsinn! Wenn du trotz eines solch gewaltigen Erfolgs derart ein Motivationsloch hast, lässt mich das zweifeln, ob du das wirklich dein ganzes Leben lang durchhalten wirst, so sehr ich es dir auch gönnen würde. Aber noch mehr gönnen würd ich dir, dass es dir auch psychisch gut geht. Wenn ich für den Rest meines Lebens jedes Weihnachtsmenu, jeden Racletteabend, jede Pizzaparty und jede Geburtstagstorte den Andern überlassen müsste, würd ich durchdrehen.

  6. #6
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    Zitat Zitat von heinz2404 Beitrag anzeigen

    nach 3 Monaten harter und entbehrungsreicher Diät
    Erstmal Glückwunsch zur Abnahme.
    Aber was willst du mit harter und entbehrungsreicher Diät erreichen, mal abgesehen vom schnellen Gewichtsverlust? Wie willst du weitermachen, wenn du dein Zielgewicht erreicht hast? Weiter hart und entbehrungsreich? oder so wie vorher?
    Wahrscheinlich weder noch. Vielleicht kannst du erstmal überlegen, wie eine langfristige Ernährungsumstellung für dich aussehen kann. Eine "harte" Diät kann ja für den Start verlockend sein und der schnelle Erfolg gibt dir ja erstmal recht, aber es hat ja seinen Grund, warum du Angst hast, schnell in alte Muster zu verfallen und es scheint dir ja mit der Ernährungsweise nicht gut zu gehen, also warum solltest du den Rest deines Lebens so weitermachen.

    Irgendeinen Mittelweg zwischen "Verzicht" und "so wie vorher" wird es auch für dich geben. Ich bin z.B. anfällig für Süßigkeiten und habe deshalb die Regel, dass nur an 3 Tagen in der Woche was gegessen werden darf. Wenn ich mir einen Riegel pro Tag erlauben würde, wäre gleich die ganze Tafel weg, für andere wiederum funktioniert es, wenn sie sich jeden Tag eine Kleinigkeit erlauben.

    Ein bisschen muss man da sicher ausprobieren, es kann ja z.B. für dich einen Tag in der Woche geben, wo du dir Pizza/Döner und Co erlaubst...oder du setzt dir ein Kalorienlimit pro Woche, dass du damit verbrauchen darfst...oder oder oder...

    Viel ERfolg!

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