So, jetzt schreibe ich mal meinen ersten Beitrag im Forum, wahrscheinlich mit einem ganz altbekanntem Thema...
Also: ich habe mich früher eigentlich sehr gut ernährt. Ich war immer schlank und sportlich. Ich wusste, wie man gut und trotzdem kalorienarm kocht, musste Fenchel nicht erst bei Wikipedia nachschlagen, kannte meinen Grundumsatz.
Dann kam der Bruch und jetzt gehöre ich zu den Übergewichtigen (BMI 2 und ich weiß, dass das noch lange nicht das Ende ist.
Und ich wüsste haargenau, wie es besser ginge. Ich weiß bei jeder Mahlzeit, was ich falsch mache. Ich könnte jederzeit jeden Übergewichtigen beraten. Und nicht nur von den Fakten her, nein, ich weiß auch jeden kleinen Kniff, jeden kleinsten Psycho-Trick.
In der Theorie ist das so einfach:
Erst einmal analysieren, wieso ich essen will. Dann eben Ausgleich in anderen Dingen suchen. zB entspannen mit einem schönen Bad als Stressausgleich anstatt die fette Pizza.
Genauso mit dem Sport: Sport tut mir gut, ich mache ihn sogar gern.
Aber in der Praxis sieht alles immer anders aus....
Da brauche ich JETZT SOFORT Entspannung. Will nicht erst Bad einlassen etc. Und dann will ich mich SOFORT toll fühlen, und nicht erst nach dem halbstündigen Spaziergang.
Das ist eine schwere Schwelle für mich, meist überwinde ich sie nicht. Essen ist für mich halt die kürzeste Verbindung zu meiner Seele...
Andererseits weiß ich auch, dass ich jetzt anfangen sollte. Ich frage mich halt immer, wie weit es noch gehen muss und kann. Früher dachte ich immer, es gäbe eine Grenze, wenn mir jetzt jemand sagt, dass ich nächstes Jahr die Grenze zur Adipositas überschreite, würde ich da gar nichts gegen sagen - ich halte es schlicht für möglich.
Aber ich bin im Moment auch ein wenig ratlos, wie ich mein umfangreiches Wissen so in die Tat umsetzen kann, dass mein innerer Schweinehund nicht immer direkt alles umwirft.
Ich kann nur sagen, daß ich das alles sehr gut kenne...
Ich war DÜNN bis zu meinem 30. Geburtstag (58kg), zuvor NOCH dünner, selbst nach beiden Entbindungen immer um die 53kg ohne irgendetwas dafür zu tun...
NIE dachte ich, das sich das jemals ändern würde... Ich würde niemals dick sein, das war für mich sonnenklar...
Doch von da ab ging das Gewicht stetig rauf, bis ich im Sommer 2008 auf fast 88kg stand...
Der Klick-Effekt kam, ich hab in einem halben Jahr 10 Kilo abgenommen mit Kalorienzählen und anfangs problemlos gehalten... Doch sobald ich wieder etwas lockerer wurde mit den Kalos ging das Gewicht wieder rauf, 3kg sind schon wieder oben...
Ich weiß nur eins: das Abnehmen war leichter als das Halten, und ich bin im Moment an einem Punkt wo ich sage: ich mag nicht mein Leben lang Kalorien zählen...
...ich fürchte fast, dieses Problem haben alle hier im Forum Anwesenden. Ich will mich auch immer jetzt gut fühlen, und jetzt und jetzt; weniger essen verschieb ich gern auf später, das einem Jetzt weichen wird, in dem ich doch lieber was zu essen haben möchte. Angenommen, man würde sein Hirn schaffen so umzumanipulieren, dass man sich gut fühlen würde, wenn man der "Versuchung Essen" widersteht, ist man auf der anderen, krankhaften Seite angelangt...
Kann es auch einfach sein, dass das Bedürfnis einfach drauf los zu essen natürlich ist und nicht mit Schuldgefühlen (die ich auch kenne u die du deiner Beschreibung nach auch jedes Mal beim Essen hast) aufgenommen werden darf, sondern einfach befriedigt werden muss ohne "dafür reiß ich mich morgen zusammen" und so weiter? Hab zwar grade erst angefangen diese These zu testen, aber bisher scheints zu klappen: heute zum Beispiel habe ich Kekse für Weihnachten gebacken und währendessen eine ganze Menge vom Teig genascht (fast bis zum Platzen), aber ich hab mir nichts draus gemacht. Gehört einfach dazu zum alljährlichen Ritual, warum sich dafür schämen? - und am Abend, wo ich sonst das so große Bedürfnis hege in mich hinein zu mampfen, fühle ich mich immer noch befriedigt, hab einfach keine Lust zu essen. Vor vier oder fünf Tagen hatte ich das letzte Mal wirklich das Bedürfnis zu Schlemmen, welches ich mir damals auch gegönnt habe. Normaler Weise habe ich das - vor allem in der Vorweihnachtszeit - jeden Tag/bzw. Abend (nächtliche Fressattacke, jaja). Ich glaub mittlerweile, dass viel (und "falsch" ) Essen genauso wichtig sein kann wie zwischenmenschliche Kontakte oder sich in den Spiegel schauen und schön zu fühlen. (Natürlich muss es ein wirkliches Bedürfnis nach sich gehen lassen-Können sein, und nicht irgendwas Ähnliches) Ich glaub auch, dass, wenn man einmal beginnt dem Körper zu vertrauen und ihm seine Bedürfnisse zu lassen, sich die Intervalle des viel-essen-Wollens verlängern und sich auch die Zusammensetzung der Nahrung, die man dann essen will, ändert (je nach Nährstofflage oder so; einfach nur irgendwas essen-Wollen is dann wahrscheinlich doch kein wirkliches Essbedürfnis). Irgendwo (keine Ahnung mehr, wo genau) hab ich etwas von einem Test mit Kleinkindern (2 Jahre alt,wenn ich mich recht entsinne) gelesen (die als Probanden eingestellt wurden, weil ihnen die Eltern Fernsehen und Sonstiges, wo durch Werbung bestimmtes Essen angepriesen werden könnte, noch verboten), denen man über längeren Zeitraum hinweg alles mögliche Essbare zur freien Entnahme zur Verfügung stellte. Die ersten zwei Tage ernährten sich die Kleinen fast ausschließlich ungesund. -Umso erstaunter zeigten sich die Forscher, als die Analyse nach einer Woche ergab, dass die Kleinkinder eigentlich alle wichtigen Nährstoffe die sie für diese Woche benötigten, zu sich genommen hatten, nur halt nicht Tag für Tag, sondern mal hiervon mehr, eine zeitlang dafür weniger davon.
Bei Tieren (solange sie nicht vom Menschen verzogen wurden) gibt es den gleichen, natürlichen Effekt, auch was die Gewichtsregulierung betrifft (jemals ein Wildtier gesehn, dass es verabsäumt hat, sich vor dem Winterschlaf die nötigen Fettreserven anzufressen?). Ich glaub langsam wirklich, dass zu dicke oder zu dünne oder sonstwie ungesund ernährte/(unter)bewegte Menschen einfach zu viele Anreize von außen bekommen haben, die sie von ihrer natürlichen Lebensweise abgebracht haben.
Also, um nochmal zum eigentlichen Thema zurückzukommen: ich werd mal über längeren Zeitraum hinweg ausprobieren, was passiert, wenn man einfach seinen Eingebungen folgt und isst was grade schmeckt (und so viel, wie man grade Lust hat). In puncto Bewegungsdrang merk ich, seit ich mich mehr auf meinen Körper einstelle, auch, dass ich unrund werde, wenn ich einen Tag lang nicht draußen war oder sonstwie Spannungen abgebaut habe.
...von der japanischen Esskultur möcht ich mir auch einiges abschauen, vielleicht hilft dir das auch weiter: dort wird der Magen als Sitz der Gesundheit angesehen, irgendwas wird also nicht reingestopft (wobei wir wieder bei "soviel ich will und was ich will" wären). Außerdem legt man dort sehr auf gemischtes und vor allem schön arrangiertes Essen wert - und eigentlich spricht mich ein liebevoll gestaltetes, (am besten selbst) bunt zusammengewürfeltes Essen auch mehr an als das, was der Inhalt von Chipstüten so darstellt.
Naja, ich hoffe, dass war jetzt hilfreich. Bei Bedarf kann ich bescheid sagen, was bei meinem Experiment rauskam
Lg Moosbeere
Ach, ich kenne das alles nur zu gut.
Ich weiss genau, wie ich richtig esse und das ich nicht aus Hunger sondern oft as Langeweile oder Frust esse und nicht mal mehr versuche, mich erst anderweitig zu beschaeftigen.
Ich wuesste auch nur zu gerne, wie ich diesen Schweinehund ueberwinden kann und meine Disziplin wiederfinde, die ich vor gut 1 1/2 jahren verloren habe (da hatte ich innerhalb von 3 Monaten 10 Kg runter und halte das auch problemlos), damit ich die restlichen 10 Kg auch noch schaffe.
Ich kenne es nur zu gut.Habe gerade mich wiedererkannt.
Wenn ich jeden Abend hier rein schaue motiviert es mich sehr und ich tanke Energie für den morgigen Tag.
Es hilft mir sehr das ich auch dabei bleibe
Ach ja, die Theorie und die Praxis, wie sehr ich die zwei doch hasse
Zu deiner Frage:
vielleicht könntest du die Pizza nicht mehr kaufen die du der Badewanne vorziehst? Oder an die Gefriertruhe (Kühlschrank) ein mahnendes Bild von dir heften auf dem du Scheuslich ausschaust damit du abgeschreckt wirst.
Oder du machst es wie ich. Wenn mein Schweinehund net mitziehen will schrei ich ihn an (natürlich nur in Gedanken) wie blöd er ist und wie toll das jetzt wird und das ich mir das nicht von ihm kaputt machen lasse.
Vielleicht findest du ja auch eine "Anti Stress Atemübung" oder sowas ähnliches für Stresssituationen die du machen kannst und dir wirklich hilft.
Und zu guter Letzt: Denk positiv! Nicht "Ich will jetzt keine Pizza die macht fett" sondern "Ich will mir jetzt ein Bad einlassen, denn dass tut mir gut!" (das war jetzt nur mal ein Beispiel).
Ich kenn dafür doch nur ein Wort: Globalisierung/Massenmord. Es ist zu spät um zu verzeihen und dein betroffen sein. Wir zahlen dafür mit ihrem Blut, denn Menschen gibt es dort genug. Ein ganzes Land das weiter stirbt weil es verachtet wird. -> Mantus: Tansania
Geändert von Kleines_nacht_engelchen (27.12.2009 um 01:11 Uhr).
hi
hmm. du weißt also eigentlich was du tun müsstest, du tust es aber nicht, richtig? sowas wird immer gerne als innerer schweinehund betitelt. ich kann mit dem begriff nicht soviel anfangen, das hört sich für mich so an als ob das ein unabhängig von einem existierender teil wäre, oder so. aber das stimmt ja nicht, das ist man selbst. das bist du. du willst dir momentan lieber pizza reinziehen. wenn du es nicht wollen würdest, würdest du es nicht tun. du magst zwar einerseits schlank sein wollen aber andererseits kannst du nicht auf ungesundes essen verzichten. ich denke du brauchst das essen momentan. vielleicht hast du gerade probleme oder steckst in einer krise. essen entspannt einen und tröstet... ich denke du wirst das essensproblem nicht lösen können solange du die tieferliegenden Probleme nicht findest und sie angehst. ich denke kein diättipp der welt hilft einem wenn das problem ganz wo anders liegt.
ich hoffe das war jetzt nicht zu direkt, und vielleicht ist es in deinem fall ja auch nicht so. ich könnte es mir nur vorstellen, aus eigener lebenserfahrung
lg
Der eine Satz von Anatallon beschreibt ALLES worum es geht: Essen ist die kürzeste Verbindung zu meiner Seele...
Das unterschreibe ich sofort. Ansonsten glaube ich, wir sollten uns langfristig mit wichtigeren Dingen als Abnehmen beschäftigen. Stellt Euch vor, Ihr seid gestorben (möglichst alt natürlich) und werdet im Himmel gefragt, wie sinnvoll Ihr Euer Leben gestaltet habt, was Ihr aus dieser einmaligen Chance, ein Leben lang gesund zu sein, gemacht habt......Und dann antworten wir: Wir haben Diät gehalten, abgenommen, wieder zugenommen, wir wurden latent essgestört, das Essen hat einen wichtigen Platz in unserem Leben eingenommen, wir haben Therapien und Selbsthilfegruppen gegründet/besucht, unser Denken kreiste um Gewicht und Gier, um Schönsein und Leiden.
Darüber haben wir ganz viele schöne Lebensziele aus den Augen verloren....
Wenn die Raupen wüssten, was einmal sein wird, wenn sie erst Schmetterlinge sind, sie würden ganz anders leben: froher, zuversichtlicher und hoffnungsvoller. (Heinrich Böll)
hihi, nicht schlecht
__________________ Frauen werden als Engel geboren. Bricht man ihnen aber die Flügel, fliegen sie einfach auf Besen weiter.
Ängste, denen man sich nicht stellt führen unweigerlich zu Egoismus, weil man glaubt sich schützen zu müssen, weil man keine andere Möglichkeit sieht mit den eigenen Schwächen umzugehen.
Jetzt rede ich!