Wenn mans kann ist`s nicht schwer, ist nichts schwer
Hallo Zusammen,
ich glaube das ist ein Lied aus einer Operette... . Tja, wenn mans kann, ists nicht schwer, das mit dem Abnehmen und dem gesunden Essverhalten, wenn man es aber nicht kann, dann ist es ganz schön schwer. Schaffbar, aber auch schwer. Empfindet ihr das auch?
Wenn ich mir anschaue in welchen Stufen ich was gelernt habe, ist das ein ganz schön langer Weg.
Stufe 0: Unbewusstes Essen,
Folge: Übergewicht
Stufe 1: Einstieg mit WW in Eigenregie
positive Folge: Zunächst Gewichtsverlust, bewußtes Einbauen von Gemüse und Obst
negative Folge 1: Es bilden sich Lebensmittel heraus, die aufgrund zu hoher Punktzahlen kaum mehr mit in Betracht gezogen werden (nix gegen WW, mein Verhalten hatte sich aber relativ schnell dahingehend angepasst),
negative Folge 2: Alles was auf meinem Teller liegt, sind "meine" Punkte, die gebe ich nicht her, egal wie satt ich bin
negative Folge 3: Tagsüber Hunger, um abends sich bei einer Riesenportion einmal richtig satt essen zu können (auch nicht der Fehler von WW), aber einmal am Tag muss man doch "richtig satt" sein, und ja: Ich meine damit kurz vorm platzen, weil das eben für mich das Satt-Gefühl ist (leider). Dass ich mit den Sattmachern bei WW nicht so gut zurecht gekommen bin, muss ich wohl nicht erwähnen.
Stufe 2: Einstieg ins Kalorienzählen
positive Folge: Die verwendete Lebensmittelpalette weitet sich aus, auch weil ich "mehr" Kalorien zur Verfügung habe, als ich bei WW (bzw. mir mehr gönne).
negative Folge: Fettreiche Lebensmittel fallen komplett raus, da zu viele Kalorien,
negative Folge: Mit meiner Verteilung der Kalorien auf unendlich viel Gemüse kann ich wahrhaftige Riesen-Portionen verdrücken, an eine positive Entwicklung meines Satt-Gefühls komme ich damit auch nicht ran.
Stufe 3: Kalorienzähen mit Vorgabe, mindestes 30% der Kalorien aus Fetten zu beziehen
negative Folge: Nach sechs Monaten intensiver Beschäftigung mit meiner Ernährung fülle ich bei fddb.info immer noch fast täglich mein Esstagebuch aus, und zirkele so lange herum, bis meine Kalorienbilanz für den Tag so stimmt, dass mir das Fett nicht die Kalorien klaut, die ich für meine Riesen-Portionen brauche.
Nach 6 Monaten schaffe ich es also noch immer nicht so nach "Gefühl" zu essen, dass ich einschätzen kann, was zu viel oder zu wenig für meinen Körper ist. Nach 6 Monaten kann ich von dem Thema Kalorien, Nährstoffverteilung und Abnehmen immer noch nicht in dem Sinne loslassen, dass ich sagen könnte aus meinem Wissen ist eine natürliche Haltung geworden.
Ich habe immer noch Angst davor, Hunger haben zu müssen und esse deswegen alles, was ich mir zugeteilt habe, egal was der Magen sagt. Quasi als Hunger-Vorsorge. Ich esse immer noch zu schnell und häufg mit Stress im Bauch, so dass "Essen-Vernichten" ein quasi aggressiver Akt ist.
Ganz ehrlich: Nach einem halben Jahr hätte ich mir da mehr erwartet. Und es ist immer noch so ein weiter Weg zu lernen....Vieles ist ja auch schon passiert, aber manchmal bin ich mutlos und finde es ganz schön hart, was man alles lernen muss um irgendwann "einfach schlank" sein zu können.
Weil man eben so an das "Innere" rankommen muss, und alle "Programme", die ich bislang verfolgt habe, kommen eben da eben nicht ran, sondern bieten mir die Möglichkeit, eine Ausweichstrategie zu finden.
Hm. Vielleicht grübele ich aber auch einfach zu gerne.
Oder könnt ihr das nachvollziehen, was ich meine?
Hallo Phoenix.. (ich hoffe du nimmst mir die Abkürzung nicht übel )
ich kann das gut nachvollziehen.
Bei WW wurde ich, als ich diesen Weg verfolgt habe - auch erst richtig "gierig" - > alles meins - ich schaufel rein was ich satt fressen darf. Es war wirklich ein Fressen. Nicht das eigentliche Ziel/Sinn was WW verfolgt.
Kcal. zählen, Fett zählen - all das hat früher gefruchtet (klar wenn man einfach kaum was isst)
Alles was ich gezählt etc. habe - hat mich im Endeffekt immer nur zurück geworfen. Nachdem ich das jahrelang betrieben habe (von Magersucht, BL, Normalgewicht - > jetztiges Übergewicht) habe ich meine Stoffwechsel gut durcheinender gebracht und versuche selbigen mühsam (den das ist es für mich) aufzubauen.
Lies dich hier einfach mal durch die Themen was dich anspricht Wobei ich den Stoffwechselaufbau - als besten Weg empfinden würde
LG
Bine
edit:// ich hoffe ich habe nicht zu wirr geschrieben :/ und man kann meine versuchte Aussage entnehmen.
Ich bin schon seit einer Weile stiller Mitleser und die Diskussion aus dem Stoffwechsel-Bereich haben mich schließlich dazu bewogen, aus WW ganz auszusteigen, da ich dort einfach nie so recht wusste, ob ich jetzt die Mitte zwischen Grundumdsatz und Gesamtumsatz so recht treffe. Ich denke, da bin ich mit dem Kalorienzählen wirklich einen Schritt weiter. (An dieser Stelle einen herzlichen Dank für all die Diskussionen, die ich hier mitlesen darf).
Ich warte eben noch auf den Moment, dass sich die äußeren Gewohnheiten mal darauf niederschlagen, was ich innerlich für eine Einstellung zum Essen habe. Aber da gibt es eben nur ganz geringe Erfolge zu verzeichnen, es bleibt eben immer eine Außenkontrolle. Und ob ich das ein Leben lang durchhalte, das weiß ich halt nicht. (ich melde zweifel an).
Ich denke häufig, dass emotional einfach nicht ankommen will, dass ich keine Angst vor Hunger haben muss. Daher auch zu guten Teil die Gier, weil ich im Kopf eben "diäte" und auch wenn ich faktisch gar keine Hungerphasen durchstehen muss, steckt es einfach im Kopf so nach dem Motto: "Ha, trotz Diät darfst Du diesen Berg da essen, ran, ran, ran, was übrig bleibt ist verloren". - Und wenn ich versuche kleinere Portionen koche, dann bekomme ich fast ein wenig Panik davor, dass ich ja dann gar nicht satt werde und schwups kommen noch 2 Zucchini mit rein, damit die Menge stimmt.... Ich weiß gar nicht, wo diese Angst herkommt. - Und wie ich mal dazu kommen kann, weniger zu essen. Dieses Gemüse-Fressen (sorry) ist irgendwie ne Sackgasse.
Sorry, irgendwie komme ich selbst nicht so auf den Punkt.....Es soll halt einfach einfach werden mit dem gesunden und angemessenem Essen.
Phoenix (aus der Asche).
PS: Die Abkürzung ist für mich kein Problem, hier tummeln sich nur noch weitere Phoenixe, insofern ist eine gewisse Vertauschungsgefahr gegeben
Hallo Phoenix (ich erlaube mir auch die Kurzform),
ich kann Deine Einstellung zum Thema Sattsein s e h r gut nachvollziehen. Ich bin jetzt 38 und hatte noch nie eine unverkrampfte Haltung zum Essen, außer vielleicht als Kind.
In der dritten Klasse schickte mich der Schularzt zur Kur, leider nahmen meine Eltern die Verhaltenstipps zum Thema Kochen und Essen nicht ernst, also waren die mühsam abgenommenen Pfunde schnell wieder drauf. Als Teenager hatte ich nach Aussagen meiner Eltern immer noch "Babyspeck" (woher wohl??? - Aber wozu jetzt noch Schuldige suchen, die Pfunde sollen weg und da kann mir keiner bei helfen).
Dann hatte ich mit Anfang 20 mal ganz gut abgenommen und das Gewicht auch ca. 12 Jahre gehalten, aber es war immer kontrolliert, und wenn ich gegessen hätte was ich wollte, wäre ich wohl noch mehr in die Breite gegangen. Sätze wie "das darf ich nicht essen", "das sollte ich lieber liegen lassen", waren meine Hauptbegleiter. Immer das schlechte Gewissen, wenn's doch wieder zuviel war. Immer am Hadern. Täglich. Stündlich.
Heute weiß ich doch einiges mehr über Stoffwechsel und Ernährung und lerne langsam - wirklich! - auf meinen Körper zu hören. Ich kann und darf aufhören, wenn ich satt bin. Ich kann und darf essen, wenn ich Hunger habe. Ich habe neuerdings echten und wirklichen Appetit auf Obst und Gemüse. Ich kann - freiwillig und nicht gezwungen - an einer Käsetorte vorbeilaufen. Mein Körper bekommt alles was er braucht und dankt es mit dem Appetit auf die richtigen Dinge. Ich kann mich meinem Körper mehr und mehr anvertrauen und mich von ihm leiten lassen.
Immer öfter bin ich bei der abendlichen Berechnung der Kalorien überrascht, wie ausgewogen ich mich ernährt habe, und die Auswahl der Speisen letztlich meinem Appetit - und nicht meinem Verstand - zu verdanken habe.
Aber Du hast recht, es ist insgesamt eine Politik der kleinen Schritte und nicht von heute auf morgen getan.
Vielleicht ist es aber auch so wie beim Autofahren: Aus mühsam Erlerntem und Angewandtem wird irgendwann ein Automatismus.
__________________ Abnehm-Methode: LF30, wenig Süßes, Theraband
Zeitfenster: 65 kg ca. Sept. 09 / 60 kg ca. Dez. 2009 U70: 19.6.09!!
Vielen Dank für die Antwort, die gibt mir Hoffnung, dass sich das Verhältnis zum Essen und zum satt-sein doch noch positiv entwickelt.
Eine Sache fand ich bei Dir gut: Du zählst erst abends zusammen, was Du gegessen hast und schaust so, ob es passt. Das ist ja mal eine Idee: Ich liste nämlich immer in der Mittagspause auf was ich schon hatte und plane dann für den Abend so, dass ich mein Kalorien-und Nährstoff Konto entsprechend auffülle. - Damit habe ich aber dann abends den Effekt, dass ich eben weiß, dass diese "Riesen-Portion" einkalkuliert ist und weg darf bzw muss. Und dann esse ich eben nicht mehr nach Hunger, sondern nach Portion und mein Satt-Gefühl entwickelt sich nicht besser.
Wenn ich aber einfach tagsüber mal esse, was ich denke was gut ist, kann ich am abend ja nachprüfen, wie gut ich es getroffen habe: Vielleicht komme ich dann eher mal dazu meinem Körper zu vertrauen und eine natürliche Haltung zum Essen zu gewinnen.
Bei mir ist es klar, dass ich abends warm koche, das ist zwar nicht ideal, aber das ist etwas, was ich nicht ändern will. Was aber dumm von mir ist, ist dass ich momentan immer noch versuche, tagsüber Kalos einzusparen wo es nur geht, damit ich mir abends was schönes kochen kann (und ne richtig große Portion zum satt werden habe). Ich muss mal dazu kommen, tagsüber mehr zu essen, aber dann habe ich immer Angst, abends nicht satt zu werden. Und abends habe ich dann wieder die Riesen-Protion, die gegen jedes Satt-Gefühl streitet. Grrr. Irgendwie beisst sich bei die Katze in den Schwanz.
Ich versuche jetzt mal Folgendes: Tagsüber nicht krampfhaft sparen, abends nach Gefühl kochen und bis zum satt-Werden essen, dann Kalorien rechnen und mal sehen, ob es passt. Hm. Ob ich dann noch rausbekomme, wie viel ich von was gegessen habe? Mal sehen, wie sich das anlässt.
Vielen Dank auf jeden Fall für den Anstoß!
Phoenix aus der Asche
Sieh es mal so: du hast sehr lange einen verkrampften Umgang mit Essen "gepflegt". Das ging wesentlich länger als 1/2 Jahr, oder? Ich denke es ist klar, dass dein Körper eine gewisse Zeit braucht, sich an vernünftige Portionen zu gewöhnen und ein Satt-Gefühl zu entwickeln.
Falls das System mit abends erst zählen nicht funktioniert, kannst du ja mal versuchen, dir abends schon deinen nächsten Tag zu planen. Du kalkulierst vernünftige Portionen (Müsli 50g, Obst 150-200g, Brot 100g, Reis 60g, Nudeln 100g, Kartoffeln 300g, Fleisch 150-180g, Gemüse/Salat so viel du willst) und dann müsstest du eigentlich morgens, mittags und abends ausgewogen essen können, satt, aber nicht übersatt werden und deinem Körper langsam wieder ein Sättigungsgefühl antrainieren können.
Ich kann dir nur einen Tipp meiner Therapeutin geben. Da haben wir mal ein Experiment gemacht - also ich hab es versucht einige Wochen darauf zu achten.
Wann hört der Genuss beim Essen auf?
Kannst du erkennen wie lange ein Essen Genuss ist und wann es einfach nur noch Essen ist?
Ich habe ganz extrem auf meinen Körper geachtet und mich wirklich bei jedem Bissen gefragt "schmeckt es mir" "wie fühlt sich das jetzt im Mund an" "genieße ich noch oder esse ich nur noch".
Und es funktioniert wirklich!
Dazu kann man zwischendurch auch Pause machen, die Hand auf den Magen legen und mal fühlen ob man noch mit Genuss isst oder ob man schon überfüllt ist.
Aber das Ganze ist ein Prozess der Zeit braucht und du kannst nicht von einem Tag auf den anderen erwarten dass du deine Gewohnheiten änderst. Im Endeffekt musst du aber dein Problem - ich brauche für mein gutes Gefühl eine riesen Portion - ändern und nicht die nächste und nächste Ernährungsform ausprobieren. Du wirst es sonst immer so hinbiegen damit du deine riesen Portion unterkriegst. Theoretisch wäre es ja kein Problem wenn du über den Tag gesehen nicht zu viel isst, aber es macht doch keinen Spaß zu hungern damit man am Abend viel essen kann.
Vielen Dank für die Tips. Kleine_Sushi, Du hast es auf den Punkt gebracht, meine Ernährungsform (WW, Kalorienzählen was auch immer) treffen nicht meinen wunden Punkt.
Derzeit läuft das Experiment "Abends zählen" übrigens darauf hinaus, dass ich gar nicht zähle, weil ich im Nachhinein nicht mehr genau sagen kann, wie viel ich von was gegessen habe. - Dann bastel ich einfach mit meinen Schätzwerten herum, bis das Ergebnis gut aussieht. Die Methode macht zwar auch Arbeit, bringt aber nichts. Meine Güte, es gibt einfach zu viele Methoden zum schummeln. Positiv ist aber auf jeden Fall zu verzeichnen, dass die zusätzlichen Fett-Portionen vom Stoffwechsel dankend aufgenommen wurden.
Tfs vielen Dank für die Mengenangaben, das hilft schon mal weiter zur Orientierung was "normal" wäre. Am meisten graut es mir vor dem "bewußt" essen, weil..... ich den partiellen Kontrollverlust beim Reinschaufeln der Riesenportionen als "sich etwas gönnen", "mal loslassen", "sich auch mal gehen lassen können" empfinde. - Und das mal ohne Konsequenzen, weil ich ja im Kalorienrahme damit bleibe. Vielleicht wären Entspannungstechniken mal was gutes für mich. Och mann, dabei ich will doch nur gescheit essen (rumschmoll) und nicht mein ganzes Leben umkrempeln....
Schluss mit dem Jammern, gestern habe ich in der Rubrik "heute ist ein schöner Tag" gepostet, und es gibt ja auch schon viel positives zu sehen. Ich ärgere mich nur, dass ich noch nicht "fertig" bin mit der Einstellungsänderung....kann man aber wohl wirklich nicht erwarten. Werde mich also mal daran wagen, die Portionsgrößen von tfs mit der Genussanweisung von Kleine_sushi zu kombinieren, und das zählen ganz sein lassen. Mal sehen ob das klappt. Mehr als zunehmen kann ja nicht passieren, und wenn ich mein "Problem" nicht auf die Reihe bekomme ist das ohnehin vorprogrammiert. Schade, dass abends zählen für mich nicht hinhaut, das wäre noch ein netter Zwischenschritt vor der großen "Zählfreiheit" gewesen.