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Hab ich vor Monaten mal geschrieben, passt ja irgendwie zum Thema... Vielleicht mag es wer lesen *g*
Opfer der Werbeindustrie
Man kann mit Kindern nicht einkaufen gehen, ohne, dass sie einem diverse Werbeslogans um die Ohren hauen. Das war früher schon so, das hat sich auch heute nicht geändert.
Kennt noch jemand diese Werbung aus den Achtzigern, wo rüstige alte Damen oder Herren rudernd in einem Boot saßen, beim Bogenschießen zu beobachten waren, Tandem fuhren oder sonstige Sportarten ausführten und dann mit strahlenden, dritten Zähnen verlauten ließen „Ich bin 67 (…72, 98, 127 und eigentlich scheintot…) und fühle mich jung!“ Bumm-bumm… Doppelherz!
Dazu fällt mir immer meine Schwester ein, die mit vier Jahren auf eine Holzpalette bei Aldi stieg und krähte „Ich bin VIER und fühle mich jung!“
Oder an meinen Bruder, der mit zwei Jahren zu meiner damals 23 jährigen Mutter sagte „Mami, du musst noch Kaloderma kaufen! Haut ab 30 braucht mehr Feuchtigkeit!“ Nett… Das weiß ich allerdings nur aus Erzählungen, denn mein Bruder war damals noch Einzelkind und ich noch gar nicht da.
Mein Jüngster begeistert sich für jegliche Werbung, die Bad- oder Küchenreiniger, Klosteine, Schwämme, Lappen, Schmutzradierer, Staubwedel und dergleichen mehr anpreist, während der Große eher auf Nahrungsmittel fixiert ist.
Mir wird beim einkaufen also genauestens gesagt, auf was ich alles zu achten habe und vor allem, was ich unbedingt einkaufen muss.
So soll ich also Bref Powerreiniger einpacken, weil das „alles blitzeblank macht, das ist gaaaanz toll, da musst du nur einmal wischen und dann kommen da so Sterne!“ Desweiteren soll ich die schweineteuren Küchentücher kaufen, die auch versprechen, dass „mit einem Wisch alles weg ist“, wenn auch ohne die computeranimierten „Blitzblank-Sterne“ des zuvor erwähnten Powerreinigers, das 15-lagige Toilettenpapier, aus dem sich ein fetter Bär Hängematten baut und im tiefen Bass dröhnt, wie „charming“ das ist, oh, und „Actimel Joghurt Drinks musst du auch noch mitnehmen, guck mal, mit 14 Tagen Geld zurück Garantie, da kannst du NACKT ins Wasser springen und NICHTS passiert!“ Das Einzige, was passiert, wenn ich nackt ins Wasser springe, außer, dass die Wellen hoch schlagen, ist wahrscheinlich eher, dass einer meiner Söhne mir noch irgendeine tolle, straffende Bodylotion andrehen will… Höchstwahrscheinlich die von „Dove“…
Dann noch Activia, weil das „gut für den Bauch“ ist und Nutella, weil da „ganz viele wichtige Vitamine“ drin sind- ja klar… Und Tonnen von Zucker und Fett, aber das verschweigen sie wohlweislich, schließlich machen dafür auch meistens wohlgestaltete Sportler Werbung, u.a. auch eins von Olis großen Idolen, nämlich Michael Ballack, also kann das schließlich nur gesund sein…
Oder Froop Joghurt, weil da ein hyperaktives kleines Mädchen mit entsetzlich hoher Stimme begeistert kreischt, dass die Früchte da „klitzeklein gemixert“ werden. Und Oli mag schließlich kein Joghurt mit Stücken…
Da macht man und tut man, damit die Kinder richtig sprechen und was macht die Werbung? Lässt „klitzeklein gemixertes“ Obst auf die Kinder los!
Der Kleine regte überdies an, ich solle mir unbedingt einen „Swiffer Staubmagneten“ kaufen, da würde man toll mit „stauben“ können.
Aha. Ich dachte eigentlich immer, das Ding sollte entstauben, aber egal. Da steht also dieser Zwerg vor mir und macht hektische Swiffer-entaubt-alles Bewegungen, um seinen Wunsch nach einem solchen nochmals zu bekräftigen, schließlich würde dann alles schön sauber werden.
Und ich hatte bis dato angenommen, ich hätte den Staub eigentlich auch mit einem handelsüblichen Staubtuch und einem schnöden Eimer Wasser ganz gut unter Kontrolle…
Jan indes war anderer Meinung und wollte einen Swiffer… Ich sollte dazu sagen, dass man dieses Kind schon glücklich machen kann, wenn man ihm einen feuchten Lappen in die Hand drückt und ihn bittet, den Tisch anzuwischen.
Aufgrund seiner Größe übrigens überaus praktisch für Tisch- und Stuhlbeine, die er hingebungsvoll poliert. Stundenlang, wenn’s sein muss, auch wenn er hin und wieder bemängelt, dass das mit dem richtigen Handwerkszeug viel besser ginge. Was gebe ich ihm auch die einfachen Lappen von Aldi oder Lidl, während Söhnchen von Spontex und Vileda Microfasertüchern schwärmt.
Oli hingegen zieht es eher in die Kühlabteilung mit den Molkereiprodukten, wo er sich darüber beschwert, dass ich kein Monte kaufen will, schließlich sei da das „beste aus der Haselnuss“ drin, die ganzen Vitamine, die sie beim Nutella schon immer anpreisen, natürlich nicht zu vergessen!
Meine Ausführung, dass da mehr Zucker als sonst was drin ist, wird ignoriert, schließlich haben die davon in der Werbung gar nichts gesagt! Natürlich nicht, das wäre ja auch wenig werbewirksam und seltsamerweise machen nur schlanke Kinder für das Zeug Werbung und nicht die, die nach dem gut gemeinten Dauergenuss von Monte irgendwann mal so aussehen, als würden sie im Erwachsenenalter problemlos das Gewicht von dicken Fernsehkommissaren erreicht haben.
Dasselbe Theater bei Paula, dem Kuhfleckenpudding (habe ich schon erwähnt, dass ich dieses „Die Paula ist ’ne Kuh, die macht nicht einfach MUH…“ Lied nicht mehr hören kann???) und Kinder Pingui, dem „Snack im Handyformat“ – wer, frage ich mich, denkt sich so eine hirnverbrannte Schei**e eigentlich aus??? Snack im Handyformat, ich geh am Stock!
Auch weigere ich mich, so genannte Frühstücks-Cerelalien zu kaufen, die knallbunt oder mit Nougatcreme gefüllt sind, auch wenn betont wird „die Omi kauft die aber auch!“
Wenn meine Mutter die kauft, ist das eine Sache, ich kaufe sie nicht- zumal ich weiß, dass auch meine Mutter den kreischend bunten Fruit Loops nichts abgewinnen kann.
Apropos bunt: kennen Sie diese erstickungsblauen Erfrischungsdrinks, die, auf denen hinten auf der Rückseite steht, dass Wasser, Zucker und jede Menge Zusatzstoffe enthalten sind, die mit E anfangen und irgendwelchen Nummern dahinter aufhören?!
Das ist auch jedes Mal ein Kampf! Ich kaufe keine Getränke, die aussehen wie Badreiniger! Auf überhaupt gar keinem Fall! Und was muss ich mir dann anhören? „Der Papa hat die uns aber auch schon mal gekauft!“
Klar… Der Papa weiß ja auch nicht, wie Putzmittel aussieht…
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