Ich liege in meiner Stube auf dem Bett und bin stinkig. Der Spieß hat mich gerade zur Sau gemacht weil ich mein Gewehr behalten und nicht auf der Waffenkammer abgegeben habe. Zudem mache ich mir Gedanken: Was suche ich überhaupt hier? Meine Bundeswehrzeit liegt doch schon Jahre zurück, wie um alles in der Welt konnte ich noch einmal gezogen werden?
Ich habe in dieser Nacht allerdings eine extra lange Leitung und merke noch nichts.
Meine Eltern kommen mich besuchen. Es ist der Tag vor meiner Entlassung und ich führe sie in der Kaserne herum. In der Dämmerung passieren wir die Kantine. Durch die Scheiben sehe ich, wie eine Küchenhilfe mit der Figur einer russischen Kugelstoßerin mit einer Kelle undefinierbaren Brei auf die Tabletts meiner Kameraden klatscht.
’Wenn meine Eltern nicht hier wären’, denke ich, ‚würde ich auch da drin sitzen und müsste diesen Frass in mich reinstopfen’. Ich bedauere es nicht (‚und was zum Teufel suche ich überhaupt hier?’).
Wir passieren die Kantine, an der sich ein 1-Sterne-Restaurant anschließt. ‚Das Essen sieht hier schon genießbarer aus’, denke ich. Wir gehen weiter durch ein 2-Sterne-Restaurant und gelangen in ein Restaurant mit drei Sternen. Ich gehe einen Schritt zur Seite, um Boris Becker vorbeizulassen. ‚Verrückt’, denke ich, ‚in was für einer Kaserne gibt es schon ein Promi-Restaurant, und was zum Teufel suche ich überhaupt hier?’
Endlich fällt der Groschen – ‚DU TRÄUMST!!!’
Zur Kontrolle schnell einen Blick auf meine Hand – ich habe 6 normale und einen verkrüppelten Finger. Die Sachlage ist eindeutig. Zur Sicherheit springe ich in die Luft und bleibe schwebend in der Luft hängen – in der Tat, ein Traum.
Mein Bewusstsein schaltet sich in das Traumgeschehen ein, ich nehme die Traumumgebung von der Wahrnehmungsseite wie die Realität wahr – ich kann sehen, riechen, fühlen, schmecken und von nun an auch aktiv in das Traumgeschehen eingreifen.
Ich fliege auf einen Tisch zu und schubse Arnold Schwarzenegger von seinem Platz, der sich wie ein getretener Hund vom Acker macht – das wollte ich immer schon mal
Gierig mache ich mich über sein Menü her – Hirschbraten mit Preiselbeeren, als Beilage gibt’s Knödel. Ich träume nun schon seit fast 1 ½ Jahren regelmäßig luzide, aber Essen im Klartraum haut mich immer noch vom Hocker. Der Geschmack ist intensiver als ich ihn in der Realität empfinden könnte und das Feuerwerk der Sinneseindrücke beim Essen ist nur gewaltig. Ich winke einen Kellner heran und ordne an, dass man mir den ‚Eisbecher meines Lebens’ bringen soll. Kurz darauf erscheinen vier Kellner mit muskulösen, eingeölten nackten Oberkörpern, die eine riesige Platte mit einem wahren Eisberg darauf hereintragen. Mit einem Löffel fange ich an, mich durch den Berg hindurchzuarbeiten. Es ist der Wahnsinn, Eis zu essen, Eis zu schmecken und gleichzeitig zu wissen, dass nichts davon real ist sondern nur eine nahezu perfekte Simulation der Wirklichkeit, die in meinem Unterbewusstsein entsteht, während ich im Bett liege und schlafe. Leider lässt mich meine Hochstimmung eine Grundregel des Klarträumens vergessen – immer mit den Augen in Bewegung bleiben. Indem ich den Eisberg vor mir blicklich fixiere unterbreche ich im wirklichen Leben die gerade ablaufende REM-Phase und wache auf…
Trotzdem, einer der besseren Klarträume der letzten Zeit…