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Einleitung
Vorwort
Kapitel 1
Kapitel 2
    In der Falle der Sinnlos Diäten
    Wie man abhängig wird
    Gedicht
    1000 gute Gründe abzunehmen
    Das leidliche Thema ABNEHMEN und die Gesellschaft!
    Warum KEINE Diät ?!
    Wechseljahre?
    Dem Diabetes davonlaufen
    Gewicht in der Schwangerschaft
Kapitel 3
Kapitel 4 (Essstörungen)

Wechseljahre?

Es ist 7.00h. Ich schwinge mich aus dem Bett. Frisch und ausgeruht, der Tag kann beginnen. Was ist das denn? Ein Erdbeben? Der Boden schwankt, es ist auch noch so dunkel. Dabei hatte ich doch die Nachttischlampe angeknipst. Sollte die Glühlampe kaputt sein? Ich taste mich ins Bad. Auch hier schwankt der Boden.Viel heller ist es hier auch nicht. Ersteinmal eine Handvoll Wasser ins Gesicht schütten. Vielleicht hilft das, den Blick zu erhellen und das Hirn einzuschalten. Dann wird die Ursache des bewegten Bodens sicher erkennbar. Richtig, es liegt an meinem Kreislauf.Wo ist der denn geblieben? Bin ich zu hastig dem Bett entflohen und habe den armen Kerl da liegengelassen. Wird wohl so sein, denn nach einem Blick aus dem Fenster kann ich das durchaus verstehen. Der Himmel ist in einem dezenten Grau gekleidet. Der Himmel? Der ist dem Erdboden aber sehr nahe gekommen. Achso, wir haben ja November. Es handelt sich um Nebel. Am liebsten würde ich mich auch wieder im Bett verkriechen. Aber die Arbeit ruft unbarmherzig. Dann werde ich dem Ruf mal folgen. Nach zwei Tassen Kaffee geht's mir wieder besser.
Erstmal werde ich nach meiner Schwiegermutter sehen. „Kind, wie siehst du denn aus? Ist dir nicht gut?“ Das ist ja ein netter Morgengruß. Im Spiegel sah ich doch sooo schlimm garnicht aus. Das werde ich nochmal kontrollieren. „Kind , auch du wirst nicht jünger.“ Na klasse, genau das, was ich heute morgen hören möchte. Ich soll am Nachmittag zum Kaffee zu ihr kommen. Der Kaffee wird um 15 Uhr auf dem Tisch stehen. Ich werfe zur Sicherheit noch einen prüfenden Blick in den Spiegel. Naja, ein bisschen blass bin ich schon. Der Griff zum Rougepinsel schafft Abhilfe. Lippenstift sollte ich auch nachlegen. So ist das in Ordnung. Ich bin mittlerweile fast 50. Nein, ich will nicht übertreiben, ich bin erst 49. Für das Alter ist mein Aussehen noch ganz passabel. Denke ich mir so. Ich fahre jetzt in die Stadt. Erst zur Bank, dann zur Post, anschließend noch schnell bei der Pafümerie reinschauen. Es ist ja bald Weihnachten. Ein paar Kleinigkeiten fehlen noch. Auf dem Weg dorthin werfe ich meinen Blick noch in das eine oder andere Kaufhaus. Hier beschleicht mich das Gefühl, die wollen mit ihrer Heizung der Außentemperatur den Kampf ansagen. Natürlich laufen auch im November die Kunden draußen nur mit Top und Blazer rum. Damit das zu keiner Erkältung oder gar noch Schlimmerem führt, soll es wenigsten drinnen mollig warm sein. Nach 5 Minuten Aufenthalt bin ich durchgeschwitzt. Egal, ich beeile mich eben. Nur raus hier. Dieses Wetter nervt . Alles grau in grau, Nieselregen oder ist es Spühnebel? Meine Kakteen wären mir dafür dankbar. Allerdings im Sommer. Mir ist nur kalt. Eben war mir doch noch zu warm. Die Haare hatte ich mir heute morgen vorsichtshalber hochgesteckt. Sonst wären die schulterlangen Locken spätestens jetzt zu zulange gekochten Spaghetti mutiert. Oh Schreck!!! Es ist schon 14.30 Uhr. Um 15 Uhr gibt's Kaffee bei Schwiegermutter. Also nehme ich den nächsten Bus, damit ich pünktlich bin. Der Bus ist voll. Sind denn alle zum Kaffee eingeladen? Hier herrscht feuchte Wärme. Dazu ein Duftgemisch aus Haarspray, Deo, Parfum und Mottenkugeln. Die Heizung des Busses ist ist also auch funktionstüchtig. „Geben Sie bitte ihre Mäntel und dicke Jacken an der Garderobe ab“. Wo finde ich diese im Bus? Nirgends. Die 15 Minuten Fahrt werde ich überleben. Durchgeschwitzt, dank Kaufhaus, durchgefroren, dank Novemberwetter und hungrig, dank vorgerückter Stunde komme ich zu hause an . Jetzt ist mir auch noch schlecht.
Zu hause angekommen schmeiße ich den Mantel über den Sessel, die Beutestücke aus der Stadt stelle ich nur ab, auspacken kann ich später und stürme dieTreppe hoch. Es ist 15 Uhr. Ich bin pünktlich. Gott sei dank. Die alte Dame ist da sehr eigen. „Kind, wie siehst du denn aus? Warum bist du so hochrot im Gesicht?“ Warum wohl? „Mir ist viel zu warm“. erwidere ich. „Wieso das denn? Hier ist es nur angenehm. Also mir ist nicht zu warm. Das sind wohl die Wechseljahre bei dir Das Alter hast du schließlich. Du solltest dich auch allmählich zwischen den beiden „F“ entscheiden. Das bleibt keiner Frau erspart.“ Na klasse, erst ein „netter“ Morgengruß und nun geht es gleich weiter. Nach einem Blick auf das Thermometer lese ich 25 ° C ab. Ich trage einen Rollkragenpulli aus Schurwolle, bin durch die Stadt gehetzt und anschließend die Treppe hochgestürmt. Omma ist's angenehm warm. Weil mir zu warm ist, soll ich in den Wechseljahren sein? Und was hat es mit den zwei „F“ aufsich? Achja, ich erinnere mich: Fett oder Falten. Wenn ich ehrlich bin, ich lege weder Wert auf das eine noch auf das andere.
Wechseljahre, das Wort hat sich in meinem Hirn manifestiert. Was ist das doch gleich?
Wechseljahre – Prämenopause, Menopause, Postmenopause. Es ist schon erstaunlich, was es alles gibt. Jede Phase hat ihre speziellen Beschwerden - Unregelmäßiger Zyklus, Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Kälteschauer, Schlaflosigkeit, Gereiztbarkeit, Depressionen, Angstgefühle, Vergesslichkeit, Antriebsschwäche, Stimmungslabilität. Hilfe! Das klingt ja furchtbar. Das klingt nach Jahren des Siechtums. Ich kann auf diese ganze Ansammlung von Unpässlichkeiten gut verzichten. Wo ist denn der Abschnitt über Lebensfreude, gute Laune, Sex, Freiheit, Leben überhaupt, geblieben? Sollte das alles vorbei sein? Wer hat sich das bloss ausgedacht? Eine Frau kann das nicht gewesen sein. Fragen über Fragen.
Dann werde ich die Wechseljahre mal anders auffassen.Wann beginnt das Leben? Mit der Befruchtung? In der soundsovielten Schwangerschaftswoche? Mit der Geburt? Weder noch. Sondern mit dem Auszug der Kinder! Das ist schonmal ein Wechsel.Was könnte ich denn sonst noch wechseln? Vielleicht sollte ich ersteinmal einen kritischen Blick in den Spiegel werfen. Was ich sehe, ist garnicht so übel, dennoch verbesserungsfähig.
Was wäre denn alles wechselswert?
Wie wäre es mit der Haarfarbe? Von Natur aus bin ich dunkelbraun, fast schwarzhaarig. Ein sanftes Hellbraun käme vielleicht in Frage. Braun wirkt weich, nett, sanft, lieb. So sollte eine Frau doch sein. Oder doch lieber blonde Strähnen? Blond hat den Vorteil, dass die grauen Haare nicht so auffallen. Achje, graue Haare - da muß ich erstmal nachsehen, wo ich die finde. Gott sei Dank, nach wie vor nur am Haaransatz. Da zeigten sich die ersten grauen schon im zarten alter von 25 und haben sich seitdem nicht wesentlich vermehrt. Das geht ja noch. Aber ich in blond? Soll ja jünger machen. Zumindest äußerlich. Achwas, kein Blond. Ich mag kein Blond. Dann muß ich mich ja jeden Morgen vor dem Spiegel selber mit mir bekannt machen. Soviel Konversation um diese Uhrzeit – nein, danke. Andererseits - Männer mögen blond. Sagt man(n). Sollte ich mir das zu Herzen nehmen? Ich entscheide mich wieder für ein Nein. Meine Güte, was bin ich heute wieder negativ eingestellt. Dann müßte ich meine Meinung – gefalle ich mir oder einem Mann- auch wechseln. Damit fühle ich mich definitiv überfordert. Ich bleibe dunkelhaarig bis ins hohe Alter. Hier findet kein Wechsel statt.
Irgendetwas muß ich doch aber wechseln. Figur habe ich ja auch. Nur, was für eine! 10 kg sind entschieden zuviel auf den Rippen. Die nächsten Wochen gibt es Salat und mageres Fleisch, viel Flüssigkeit und noch mehr Bewegung. Das muß doch in den Griff zu kriegen sein. Die Figur wäre ein lohnendes Objekt. Die hat die Jahre wirklich nicht schadensfrei überstanden. Ein magersüchtiges Frettchen war ich noch nie. Auch die 2 Kinder haben ihre Spuren hinterlassen. Der Bauch sah vor 22 Jahren flach und hart wie ein Brett aus. Die Beine waren schon immer meine Hauptproblemzone.Wie kann ich das wieder in Form bringen? Laufen? Könnte ich ja mal probieren.
Nach den ersten 300 m stelle ich fest, dass ich vergessen habe, die Kondition mitzunehmen. Wo ist die bloss geblieben. 300 m gelaufen und der Puls rast. Dieses hämmernden Gefühl in der Schläfengegend. Kündigt sich so ein Migräneanfall an? Migräne kenne ich nur von anderen. Medea, atme tief durch. Wieso geht das nicht? Der Luftstrom bleibt kurz unterhalb des Schlüsselbeins stecken. Es ist 10 Uhr morgens. Wo kommen plötzlich die vielen Sterne her? Welcher dreiste Geselle hat mir ein Messer zwischen die Rippen gestoßen? Ich sehne ein Sauerstoffzelt herbei. Das kann doch nicht sein. Vor 20 Jahren habe ich 5000 m als Aufwärmstecke absolviert. Naja, das ist ein wenig übertrieben, es ist sicher schon 25 Jahre her. Hoffentlich sieht mich keiner. Nur gut, dass ich ein Frühaufsteher bin, dann werde ich halt morgens um 6.00h auf die Strecke gehen. Zweimal in der Woche sollten reichen. Den inneren Schweinehund habe ich doch glatt vergesen. Der Typ hat absolut keine Lust zum Laufen. Jedesmal dieser Kampf und anfangs gewinnt er auch so häufig.Was er mir doch alles fürAusreden in den Mund legt, damit ich das Laufen auf morgen verschieben kann. Das Wetter, Rückenschmerzen, Migräne usw. Das sind doch Beschwerden , die ich in diesem Ausmaß nie in meinem Leben hatte und nur aus den Erzählungen alter Leute kenne. Meine Güte, werde ich etwa alt? Heißt es etwa deswegen Wechseljahre? Achwas, der Gedanke wird beiseite geschoben.
Wenn ich so darüber nachdenke, gab es auch vor 25 Jahren schon Wetter. Das ist keine Erfindung meines Alters. Ich habe mich dann dementsprechend angezogen. Die Rückenschmerzen meldeten sich damals auch hin und wieder. Die haben mich vom Sport nicht abgehalten. Im Gegenteil, nachher waren die Schmerzen verschwunden. Die Migräne waren ganz normale Kopfschmerzen. Hervorgerufen durch Wetterumschwünge unter Zuhilfenahme meines nicht vorhandenen Blutdruckes. Das hat sich bis heute nicht geändert. Migräne klingt aber wesentlich eindrucksvoller als Entschuldigung. Das Mitgefühl der anderen ist mir da bestimmt sicher.
Mittlerweile habe ich den Schweinehund in Rente geschickt. Der ist mir einfach zu alt. Wenn der nicht freiwillig mitlaufen will, dann soll er ins Seniorenheim für Mutanten oder gleich auf dem Schlachthof verschwinden. Die Laufstrecke wird zunehmend länger. Statt Schweinehund nehme ich Kondition mit. Meine Figur nimmt meinen Bewegungsdrang wohlwollend zur Kenntnis. Die Orthopäden der Stadt freuen sich über den Anstieg der männlichen Patientenzahlen, nicht nur im Rentenalter, mit Beschwerden im Halswirbelbereich. Ich gefalle mir eigentlich wieder ganz gut, bis auf ein paar Kleinigkeiten. Dieser Wechsel ist gelungen.
Was wäre denn noch wechselswert? Der Mann? Eine geniale Idee. Solo bin ich schon seit über einem Jahr. Also ist nichts mit Mann wechseln. Ich könnte aber den Solo - Zustand wechseln. Gibt es dafür einen triftigen Grund? Eigentlich nicht. Die Kinder sind groß und gehen überwiegend ihrer eigenen Wege. Ich brauche niemandem Rechenschaft abzulegen, was ich wann, wo, wie und mit wem mache. Die Frage, was koche ich heute, hat sich auch erledigt. Sind die Hemden gebügelt, wo ist mein dies oder das ist auch vorbei. Mir geht es gut. Außerdem, wo gibt es einen Mann, der meinen Ansprüchen genügt? Wie sollte er überhaupt sein?
Intelligent sollte er sein, Frau will sich ja unterhalten können und nicht alles selber wissen müssen. Sonst könnte ich ja auch Lexikonia heißen. Auf Fragen möchte ich schon erschöpfende Antworten bekommen. Nein, den erhobenen Zeigefinger braucht er nicht ständig vor sich herzutragen. Die Schulzeit habe ich erfolgreich hinter mich gebracht. Auf die lapidare Frage, ob es regnen wird, erhoffe ich mir keinen meteorologischen Vortrag über die Großwetterlage der Azoren und die Befindlichkeitsstörungen des Jetstreams. Ein einfaches Ja oder Nein reichen mir. Humor sollte er auch sein eigen nennen. Über die kleinen Katastrophen des Alltags lachen können, sich inclusive. (Nicht, dass ich eine Katastrophe als Mann haben wollte). Verstehen, was ich meine und was ich will, wenn ich mal wieder nur die Hälfte meiner Gedanken in Worte kleide. (Ja, ich bin eine Frau, demzufolge Inhaberin eines nicht gerade unterdimensionierten Kleiderschrankes, habe aber trotzdem nichts zum Kleiden. Manchmal reicht es nichteinmal für meine Gedanken.) Er sollte wissen, was er will und wie er es erreichen kann. Nein, Weichspülkonzentrate verwende ich nichtmal bei der Wäsche.
Mich in den Arm nehmen, wenn es mir mies geht, ohne dass ich ihm erst stundenlang erklären muß, wo mich der Schuh drückt. Es sollte ihm auch auffallen, wenn ich beim Frisör gewesen bin, mir einen neuen Lippenstift gegönnt habe oder mir der Rock vom Vorjahr wieder passt. Natürlich darf er auch seine eigene Meinung äußern. Auf die Frage, ob ich das rote oder doch lieber das grüne Kostüm anziehen soll, möchte ich kein einfaches Ja hören.
Das Sprichwort -Der frühe Vogel fängt den Wurm- sollte ihm auch geläufig sein. Der Morgen ist nunmal die schönste Tageszeit. Ich bin ebenso im Gelände zu finden, wie auch in einem klassischen Konzert. Er darf mich bei beiden Unternehmungen begleiten und den Unterschied zwischen Eiche und Beifuß sowie Forelle und Wasserratte kennen. Das Wissen um den Verwendungszweck eines Bügeleisens und Waschmaschine schaden nicht. Dass er vor dem überfüllten Kühlschrank verhungert, möchte ich auch ausschließen können. Wenn diese Punkte erfüllt werden können, fehlt nur noch das entsprechende Äußere. Hier wird es richtig schwierig. Mein Traum seit frühester Jugend ist eine Größe ab 190 cm, denn Frau trägt gerne Pumps, durchtrainiert, damit er nicht gleich schwächelt, wenn er mal zufassen muß, schwarze Locken und dunkelbraune Augen. Achja, lieben muß er mich natürlich auch noch. Das alles zusammen wäre perfekt. Welcher Bäcker backt so ein Wesen? Dieser Wechsel wird wohl der schwierigste und langwierigste werden. Aber es heißt ja Wechseljahre. Wunder dauern eben länger.
Oder war mit Wechseljahren etwas anderes gemeint?

by Medea




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