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Und ewig lockt... der KÜHLSCHRANK!
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Ich weiß nicht, wie es euch geht, jedoch liebe ich volle Kühlschränke und Speisekammern. Es gibt mir ein wohliges Gefühl zu wissen: Beides ist immer mit leckeren Lebensmitteln gut gefüllt. So befinden sich im Kühlschrank nicht nur Quark, Käse und Wurst, sondern auch Krabbencocktail, Lachs, Sahnejoghurt und im Sommer natürlich auch Schokolade in jeder Variante. Bevorzugt immer Schokoladen mit ganzen Nüssen – ausgesprochen lecker, wenn sich dann die Schokolade im Mund auflöst und die Nüsse dann genüsslich geknabbert werden können. Hm... einfach lecker! Nach einem anstrengenden Arbeitstag darf Frau sich das dann schon einmal gönnen und anstrengende Arbeitstage gibt es viele, es kommt nur auf die Betrachtungsweise an. Dass dieser regelmäßige Genuss am Abend nicht ohne Folgen blieb, kann sich jeder wohl denken.
Ein größeres Familienfest bahnte sich an und ich durchstöberte meinen Kleiderschrank. Das Schicksal nahm seinen Lauf! Vom Hosenanzug passt nur noch der Blazer. Die dazu passende Bluse hatte große Mühe sich meinen weiblichen Wellen anzupassen. Die Knöpfe versuchten ihr bestes – leider vergebens! Mein Lieblingskostüm sprach: „Versuch es erst gar nicht!“ Ich war am Boden zerstört. Mein Fluch galt allen Gummizughosen, Jogginghosen, elastischen Bündchen usw.
Wie jede Frau besitze auch ich eine wohlsortierte Büchersammlung über alle möglichen Diätformen, allesamt mit fachkundigen Tipps und Tricks. Ein Abend der Lektüre begann. Meine Tochter musterte die Bücher argwöhnisch. Mein entschlossener Blick duldete keine spöttische Bemerkung. Sie setzte sich zu mir und beobachtete mich aus den Augenwinkeln wie ich mit von Atkins bis WW bildete. Zugegeben, ich sah mir mehr die Rezepte an, es motivierte mich nicht sonderlich, worauf von meiner Tochter dann die Frage kam: „Diese Diätformen kommen wohl nicht in die engere Wahl?“ – Oh wie ich dieses Kind liebte – gerade in diesen Momenten. Sie saß da, knabberte an ihren Chips, zu diesem Zeitpunkt reichte ihr gerade mal so eine Jumbopappschachtel als Snack zwischendurch aufgepeppt durch Dipps und zu allem Übel: Sie nahm auch nicht zu! Gemeinheit! Ich hatte das Gefühl, nur alleine vom Zusehen zuzunehmen, merkte förmlich, wie meine Hummeltalje an Umfang zunahm. Zu keiner dieser Diäten fühlte ich mich in diesem Moment wirklich hingezogen. Keine erschien mir den erwarteten, nein benötigten Erfolg zu garantieren. Bedenkt man doch, in jeder Diät wird angepriesen, wie gesund doch Salat und Gemüse ist. Nun meine Überlegungen hierzu: Es ist Winter – wo wächst jetzt frischer Salat und frisches Gemüse?Da kein Salat draußen wachsen kann, kann dieser nur genmanipuliert sein. Muss ich das dann unter „gesund“ verstehen?Salat schmeckt mir schon im Sommer nur bedingt – ist für mich nur genießbar, sollte er in Dressing „ertränkt“ sein. Wie schmeckt er dann im Winter, OHNE Dressing? Okay, diese Grünfutter-Diätform kommt nicht in Frage. Weg damit! Der Stapel, der Diäten mit denen ich mich nicht anfreunden konnte wuchs permanent. Gleichfalls die spöttischen Blicke meiner Tochter. Jede Mutter, deren Tochter gerade in der Altersklasse 16 ist, weiß welche Wirkung derartige Blicke auslösen. Auch verfehlten ihre Blicke nicht ihre Wirkung. Tapfer blätterte ich noch einmal einige Bücher durch. Ich konnte wirklich nicht behaupten, dass meine Begeisterung für eine Diät wuchs, aber das Familienfest rückte unaufhaltsam näher und ich wollte ja wieder in eines meiner Kostüme passen. So konnte es ja nicht weitergehen.
Also stand für mich fest: „Morgen wird mit der Diät angefangen!“ Ich schrieb mir einen Einkaufszettel mit allen „Leckereien“ die ich noch benötigte um starten zu können. Schon beim Aufschreiben wurde mir bewusst, dass ich „mageren“ Zeiten entgegenzusehen habe. Nach dieser schweißtreibenden Aufgabe führte mich mein Weg in die Küche, wo natürlich mein Kühlschrank steht. Mir schien so, als blickte dieser mich schon sehr traurig an und wäre sich der Kraftverschwendung bewusst, deren er bald ausgesetzt wird. Während ich ihm Mut zusprach, indem ich ihm die Vorteile von leeren Kühlschrankfächern aufzählte, griff ich natürlich zu einem leckeren Sahnejoghurt, taten mir doch die Lebensmittel leid, die ich ab morgen nicht mehr verspeisen dürfte... Morgen – hoffentlich ist dieser Tag noch weit entfernt!
Der nächste Morgen war schneller da, wie erwartet. Ich war jetzt wild entschlossen mit der Diät anzufangen, wusste aber, dass für mich der schlimmste Tag immer der dritte Diättag ist. Also musste bis zu diesem Zeitpunkt alles „entsorgt“ sein, was mich wieder dazu verleiten könnte einen Rückschlag zu erleiden. Dies war jedoch leichter gesagt, als getan. Bedenkt man doch, dass in meinem Haushalt auch noch zwei Kinder leben, denen so eine kleine Diät wohl auch nicht unbedingt schaden würde, die sich jedoch standhaft weigern da mitzumachen.
Nach meinem Frühstück - bestehend aus Quark, Obst und Kaffee - sortierte ich den Kühlschrank neu. Ins oberste Fach kamen alle Sachen, die ich unbekümmert essen durfte. Ins mittlere Fach kamen die Lebensmittel, die ich hin und wieder essen durfte und ganz unten die Lebensmittel, die für mich bis auf weiteres verboten waren. Am allerliebsten hätte ich ja vor dieses Fach ein Schloss angebracht. Wusste ich doch, dass sobald ich den Kühlschrank öffnen würde, sich mein Blick unwillkürlich genau diesem Fach zuwendet. Jetzt hegte ich doch die Hoffnung, dass sich meine hungrige Meute, abgeschreckt durch die oberen Kühlschrankfächer wie eine Heuschreckenplage dem untersten Teil des Kühlschrankes widmen würde und ich den Anblick dieser mir so lieb gewonnenen Lebensmittel nicht so lange ertragen musste. Diese Tatsache wäre natürlich sehr förderlich für mein Vorhaben. Nun: Den ersten Tag hielt ich ganz gut durch, könnte jedoch nicht sagen, dass mich die Mahlzeiten besonders angesprochen hätten oder ich kein Hungergefühl zwischendurch gehabt hätte. Wenn der Magen knurrt und der Verstand sagt: „Nix gibt’s, Diät wird eingehalten“ glaubt man ja gar nicht wie oft einem so Kleinigkeiten zwischen die Finger geraten oder der Gang am Kühlschrank vorbei führt. Der Blick fällt auf den Kühlschrankgriff, die Verlockung pur, wusste ich doch, welche leckere Sachen sich hinter dieser Tür verbargen – im untersten Fach! Sollte ich nur einen winzigen Blick darauf werfen? Ich öffnete die Kühlschranktür und kam mir vor wie in einer 2-Klassen-Gesellschaft. Der obere Teil mit Magerquark, geräucherter Forelle und Dauerwurst, extra mager - alles nur für mich! Der untere Part mit Streichkäse, Wurst, Sahnejoghurt, Leberwurst und Schokolade in allen Varianten - nur für meine Kinder! Konnte ich zulassen, dass sich die armen „Schutzbefohlenen“ so ungesund ernährten? Ich blieb tapfer. Kühlschranktüre wieder zu! Ich lenkte mich mit Haus- und Gartenarbeit ab. Mechanisch erledigte ich alle notwendigen Handgriffe, im Geiste sortierte ich die Lebensmittel nach den ganzen Diätformen. Seltsam kaum hatte ich mich dazu durchgerungen mit einer Diät anzufangen, schon drehten sich alle meine Gedanken nur rund ums Essen. Dabei soll dann der Magen zur Ruhe kommen – unmöglich, zumindest für meinen Magen. Dieser rebellierte schon nach kurzer Zeit. Ich versuchte ihn mit Mineralwasser zu besänftigen, was nicht sehr erfolgreich war. Aber ich hielt durch. Bis zum Abendessen gab es nichts, das musste sein. Abends standen dann alle Leckereien auf dem Tisch, in meinen Augen blitzte es; der Tisch war nicht nach den Kriterien gedeckt: diätwütige Mama und hungrige Kinder. Nein: Alles schön vermischt. Automatisch während der Unterhaltung griff ich doch tatsächlich zur Leberwurst, schmierte mir ein Brot und sah die fragenden Blicke meiner ach so alles geliebten Tochter: „Na, schon wieder aufgegeben?“ – Wie gemein! Zur Strafe musste sie das Brot dann essen. Und ich durfte mir meine geräucherte Forelle schmecken lassen... Ich versuchte sehr langsam zu essen, wusste ich doch, dass sich das Abendessen bei uns manchmal sehr lange hinziehen konnte und die ganzen Köstlichkeiten vor Augen würde ich sonst nicht lange standhaft bleiben können. Der Fisch sollte schwimmen; also jede Menge Mineralwasser dazu! Endlich war das Abendessen vorbei und alles wieder im Kühlschrank schön säuberlich nach den oben geschilderten Kriterien verstaut. Mein Fach war nicht wirklich leerer geworden – die anderen Fächer auch nicht – leider!
Und nun kam der gemütliche Teil des Tages – mein Martyrium war noch lange nicht vorbei. Abends zum Fernsehen wurden dann die Chips und natürlich eine Tafel Schokolade gereicht. Genüsslich knabberten meine Kinder links und rechts neben mir an den Naschereien, mich listig aus den Augenwinkeln beobachtend: Na wann würde sie schwach werden? Nach einiger Zeit stand ich auf, ich konnte dem Duft der Chips und der Schokolade nicht mehr widerstehen, ging in die Küche und holte mir eine Orange. Nun war ich eine Weile damit beschäftigt diese aus der Schale zu befreien, meine Nase hatte Zeit sich zu erholen und während meine Kinder die kcal und Points zu sich nahmen, überlegte ich im Geiste schon, wie sie wohl in einem Jahr aussehen werden, sollte der Schoko-Chips-Konsum so bleiben, was natürlich unrealistisch war, das wusste ich auch, aber der Gedanke erheiterte mein Gemüt. Nein, ich werde es jetzt nicht bis ins Detail beschreiben.
Da ich tagsüber sehr viel getrunken hatte, musste ich nachts einem dringenden Bedürfnis nachgehen und aufstehen. Mein Gang führte an der Küche zuerst vorbei und dann hinein. Ich konnte dem Lockruf des Kühlschrankes nicht widerstehen. Wollte ich doch nur einmal ganz kurz Inventur machen, ob auch noch alles an seinem richtigen Platz stand. Es hätte ja sein können, dass sich etwas in „mein“ Fach verirrte, was dort gar nicht hingehörte. Leider war dem nicht so. Meine Gedanken kreisten: „Wem würde es auffallen, wenn ich jetzt ein Stück Käse oder Schokolade zu mir nehme? Niemandem! Den spöttischen Blicken müsste ich mich auch nicht aussetzen.“ Ich versuchte mein Gewissen zu beruhigen: „War ich nicht heute so viel an der frischen Luft? Hatte ich mich heute nicht wesentlich mehr bewegt als sonst?“ Während ich noch nach einer Entschuldigung suchte, packte ich auch schon ein Stück Schokolade aus und verspeiste es genüsslich. Was ich nicht bedachte: Eine hatte es bemerkt! Es war dieses schreckliche Wesen, mit welchem ich mein Badezimmer teile – meine Waage! Nach einigen weiteren nächtlichen Rückschlägen, die ich durch sportliche Aktivitäten auszugleichen versuchte, zeigte sie sich jedoch irgendwann gnädig. Oder lag es evtl. auch daran, dass der Kühlschrank immer mehr mit „gesunder“ Kost gefüllt wurde und Chips und Schokolade erst einmal für eine Weile des Hauses verbannt waren? Nun: Zum großen Familienfest passte mir mein Lieblingskostüm noch nicht, aber ich hatte doch schon einen kleinen Erfolg zu verzeichnen, der mich anspornte weiter durchzuhalten.
by Shelly3004
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