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Brautstudio des Horrors
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Brautstudio des Horrors..
Ich war so aufgeregt. Endlich war es soweit. Mein erster Besuch in einem Brautstudio. Meine Mama hat einen Termin gemacht. Es war Januar und im Juni wollte ich den Mann meiner Träume heiraten. Mit von der Partie war meine Freundin und die Fotografin meiner Hochzeit, Nadine. Ich mag an ihr ihre ehrliche Art und als Fotografin hat man ein gutes Auge. Da ich nicht die Modellfigur habe, war ich froh dass sie mitgekommen ist. Ich wusste dass es schwierig wird ein Brautkleid für mich zu finden, aber es sollte ein Horrorerlebnis für mich werden. Schon Anfang Januar hatte ich beschlossen für die Hochzeit ein wenig abzunehmen. Mit meinen stolzen 96kg wollte ich nicht heiraten. Bis zu dem Termin waren 3kg weg und ich war schon mächtig stolz und es sollten noch mehr Pfunde das Purzeln lernen. Das Brautstudio hat eigentlich einen sehr guten Ruf in der Gegend doch leider entpuppte sich das Ganze als Desaster. Meine Ma, Nadine und ich betraten das Brautstudio. Auf uns kam die Dame zu mit der meine Ma den Termin ausgemacht hatte. Sie lief schnurrstrax auf Nadine zu ( sie ist so ziemlich das krasseste Gegenteil von mir was ich mir mitnehmen konnte. Super schlank, blonde lange Haare.) und sagt: „ Oh die glückliche Braut. Ich freue mich sie zu sehen!!!!“ Ich riss die Augen auf und war schon den Tränen nahe. Nur weil ich molliger war traute man mir nicht zu eine Braut zu sein.(Dachte diese blöde Schnepfe etwa, das kein Mann mich lieben könnte?) Ich muss dazu sagen dass meine Ma keine schlanke Frau ist und somit mehr Ähnlichkeit mit mir hat, so dass aus diesem Grund eine Verwechslung ausgeschlossen war. Nachdem wir das Ganze aufgeklärt hatten, wurde ich dann mal begrüßt und sofort von oben bis unten gemustert. Ich wäre am liebsten im Erdboden verschwunden und hatte jetzt Tränen in den Augen. Ich wurde gefragt, was ich für Vorstellungen hatte. Alles was ich sagte, wurde abgeschmettert. Ich hatte mir sogar extra eine Collage gebastelt, damit sie eine bessere Vorstellung von meinen Wünschen bekommen konnte. Denn wie erklärt frau wie das Brautkleid ihrer Träume aussehen soll? Dann kam die Ernüchterung. Es hieß: das war in der letzten Saison, das führen wir nicht, das ist von unseren Kundinnen nicht erwünscht und so ging es weiter. Ich dachte nur, was ist an schlichter Eleganz, raffiniertem Ausschnitt und einem Stehkragen so unüblich, so unmodern und nicht tragbar. Das Szenario ging weiter. Die Anprobe. Da wurden Brautkleider rausgesucht, die waren echt nicht mehr schön. Der Hammer war ein Gardinenkleid in Größe 56, das mir angeblich nur eine halbe Nummer zu groß sei. Ich stand da, Schultern bis an die Ohren gezogen damit es mir nicht im geschlossenen Zustand von den selbigen rutschte. Nadine und meine Mutter waren entsetzt, sie sind von den Stühlen, auf denen sie saßen, aufgesprungen. Wuchtelten mit den Armen rum, waren am mit der Verkäuferin am Streiten, wie man mich in so ein Kleid stecken könnte und dann noch zu behaupten, es sei nur eine halbe Nummer zu groß. Ich stand da wie ein Häufchen Elend und erneut stiegen mir die Tränen in die Augen. Sie packten mich an den Händen und zogen mich aus diesem unmöglichen Brautstudio. Sie ließen mir aber vorher noch die Zeit es auszusehen. Mit diesem Kleid wäre ich nicht über die Strasse gegangen. Wie schon gesagt, ich habe keine Figur wie die Damen auf dem Catwalk aber auch nicht 56. Dank der netten Natur habe ich eine starke Oberweite und da ist die Größe 48 wirklich von Nöten je nach dem Schnitt wäre es auch mal 50, aber nicht 56. Ein kleiner Unterschied wie ich finde.
Auf dem Weg zum nächsten Brautstudio war ich still. Ich dachte an das erste zurück und was dort vorgefallen war. Ich hatte keine Lust mehr auf ein nächstes Geschäft und schon gar nicht weitere Brautkleider, die ich an probieren sollte.
Es sollte sich aber Alles noch zum Guten wenden, wie ich später erfahren durfte. Ein kleines Brautstudio zog mich dann doch in seinen Bann. Dort gab es massenhaft Kleider in 48. Eins schöner als das Andere. Ich konnte mich kaum entscheiden mit welchem ich anfangen sollte. Das tolle war, es war nur eine Kundin noch in dem Laden. Eine Frau in meinem Alter und mit der gleichen Figur. Da hatte ich auf einmal wieder Lust aufs Anprobieren. Das Schlimmste was mir hätte passieren können, wäre gewesen wenn eine super schlanke Braut dort gewesen wäre. Dann hätte ich mich vor Minderwertigkeitskomplexen nicht mehr gerührt. Was ich aber bis heute noch sehr viel schlimmer empfinde, ist dass die zweite Braut ganz alleine in dem Brautstudio war und sich ein Kleid ausgesucht hatte. Ihre Mutter hatte keine Lust mit zu kommen da ihre Tochter etwas mollig war. Sie bat unter Tränen die Verkäuferin in das Kleid mit der Größe 52 doch ein 46iger Schild einzunähen damit ihre Mutter, ihre wahre Größe nicht mitbekommt. Meine Mutter, Nadine und auch ich konnten diese Angst nicht verstehen. Und ich denke auch das es mir immer im Gedächtnis bleiben wird.
So nun aber mal wieder zurück zu meinem Catwalk und meinen Anproben.
Irgendwann sah ich eines, das mich sofort ansprach. Aber anziehen wollte ich es nicht, da ich nicht enttäuscht werden wollte wenn es mir nicht passte da es dieses nur bis 48 gab. Eine Wette, die ich mit meiner Mutter vorher abgemacht hatte, musste ich allerdings einhalten und heute bin ich froh darüber. Ich musste alles anprobieren was Nadine und ihr gefiel und natürlich auch das, was ich wollte. Die Beiden mochte dieses Kleid auch am liebsten von allen anderen.
Die anderen Anproben liefen recht lustig ab. Die Verkäuferin und ich lachten viel, da es erst ihr zweiter Tag war und sie manche Unarten von den einzelnen Kleidern noch nicht ganz wusste, denn jedes muss auf seine Art und Weise angezogen werden.
Aber dieses Mal war es anders. Wir waren ziemlich leise. Sagten kaum ein Wort. Ich schickte Stoßgebete zum Himmel das es passen würde. Sie fummelte und machte an dem Kleid rum und ich traute mich nicht zu atmen. Mein Spiegelbild anschauen mochte ich schon gar nicht. Ich sagte nur ganz leise:“ Wenn sie es nicht zu kriegen dann lassen sie es einfach, ich ziehe es sofort wieder aus.“ Sie sagte nur – ebenfalls im Flüsterton: „ Aber warum denn das! Nun schauen sie doch mal!!! Ihr Spiegelbild!!“ Und hinzu fügte sie noch: „ Es ist schon die ganze Zeit zu, ich bin nur mit meiner Uhr hängen geblieben!“ Ich schaute auf, sah mein Spiegelbild, sah mich in einem Traum von Kleid! Ich war baff. Sofort stiegen mir Tränen in meine Augen vor Freude dass ich dieses wunderschöne Kleid anhatte und es mir passte. Ich hatte am ganzen Körper eine Gänsehaut. Draußen hörte ich viel Stimmengewirr, meine Mama und Nadine versuchten die zweite Braut aufzuheitern. Als ich aus der Kabine kam in meinem Traumkleid, waren alle muchsmäuschen still. Als ob jemand einen Schleier des Schweigens über sie gelegt hätte. Meine Ma schluckte, Nadine atmete tief ein und die anderen standen da mit offenen Mündern. Und ich???? Ich strahlte wie ein hell erleuchteter Weihnachtsbaum.
Das war es!
Eine A-Form, mit Spagettiträgern, kleine Paletten am Dekoltee, kleine Stickereien vorne auf dem Kleid, angeordnet als Pyramide. Der Clou an dem Ganzen, ist der Spitzenmantel, der meine Schleppe war. Tja und das gesamte Kleid hatte alles das was ich eigentlich nicht wollte, weil ich dachte das es dicker macht, aber wir haben uns vom Gegenteil überzeugen lassen.
by chexx
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