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Einleitung
Vorwort
Kapitel 1
    Brautstudio des Horrors
    Raclette und der Mangel an Pfännchen
    Ungerechtigkeiten
    Hoffnungslos und Hoffnungsvoll
    Blockade - Lösung
    Schokoholikerin auf Entzug
    Ewig lockt... der KÜHLSCHRANK!
    Und listig kocht das Weib!
    liebes Kind iss den Teller leer geschwind
    The show must go on Schutzpanzer ade
    Die Verführung zum Essen
    Mens sana in corpore sano!
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4 (Essstörungen)

Blockade - Lösung

Blockade - Lösung

Hallo Ihr Lieben, wie soll ich jetzt nur weiter schreiben?

Mir fehlt der rote Faden und das ist ja wirklich schade. Na, vielleicht kommt er während meiner Schreibversuche wieder.

Mir geht so viel im Kopf herum, dass ich es nicht sortieren kann. Alle Gedanken sind wie Hühner, aufgeschreckt und flatternd. Wie kann ich sie nur ordnen? Also, langsam einatmen und ausatmen und nun sollte es doch klappen.

Ich müsste Sport treiben!!! Dabei wird der Kopf frei und die Gedanken ordnen sich wie von selber. Doch da bekomme ich gleich wieder eine Gänsehaut (wie bei den Hühnern), denn ich „hasse“ Sport. Früher habe ich Feldhockey gespielt, klingt komisch, ich als Feldhüpfer, war aber so. Mit meinen Freundinnen aus der Kinderzeit bin ich stolz losgezogen und „ganz wichtig“ dabei, war der Hockeyschläger. Er gab uns so etwas wie Professionalität. Als Kind sieht man sich immer gleich als großer Sieger. Für mich war es auch ein Sieg, über mich selbst. Ich hab mich überwunden und für meine Größe (Breite) nicht geschämt ein kleines Röckchen anzuziehen. Das Schämen kam später und dann bin ich nicht mehr hin gegangen.

Viele Jahre hatte ich einen „großen Bogen“ um Sport gemacht. Als Entschuldigung kam viel in Betracht. Erst das Kind dann keine Zeit, keine Möglichkeit und nun die unregelmäßige Arbeitszeit. Man kann sich ja ganz viel ausdenken um den inneren Schweinehund zu beruhigen. Ich bin da keine Ausnahme, leider! Zwischenzeitlich war ich für drei! Monate Mitglied in einer Aerobic-Gruppe, eine Erkrankung „erlöste“ mich kurzfristig davon. Dann fand ich keine Zeit mehr und war darüber auch nicht sonderlich böse.

Mein erster „richtiger“ Versuch in die sportliche Richtung war ein Fitnessstudio nur für Frauen. Zuerst fühlt man sich ganz groß zwischen all den vielen Bewegungshungrigen aber dann kommt doch der Zweifel ob man da überhaupt hineinpasst. Ich stand mutterseelenallein in diesem Studio und versuchte meine Unsportlichkeit nicht gar so sichtbar zu machen. Aber wenn dann mit einem Rad auf Zeit gestrampelt wird und die Geräte auch nicht gerade zum ausruhen einladen, dann sieht man schon nicht mehr ganz blass aus und aus einer etwas hellen Gesichtsfarbe wird eine ständig reifer werdende Tomatenfarbe. Und dann noch die vielen Spiegel, die eigentlich nur Erfolge zeigen sollten. Ich weiß nicht, ob das zur Steigerung des Selbstwertgefühles beiträgt. Bei mir jedenfalls nicht!

Nach mehreren Versuchen, mit den ständig wechselnden „Leidensgefährtinnen“ mitzuhalten und dabei nicht gar so schlecht wegzukommen, hatte ich keine Lust mehr und gab auf. Das war mein Versuch, doch noch eine „Sportskanone“ zu werden.

Aber innerlich scheint bei mir doch noch ein kleiner Rest von „Bewegungsdrang“ zu sein, denn ich habe begonnen mich ganz langsam an den sportlichen Eifer „heranzutasten“. Das bleibt aber unter uns!!! In der Frühe (aber nicht jeden Tag!), wenn mich keiner sehen kann, gehe ich „Walken“, ja so heißt das schnelle Gehen mit den komischen Armbewegungen. Leider bin ich da nicht ganz ungesehen!



Da einige Bürohäuser auf meiner Strecke liegen, muss ich auch an grinsende Gesichter vorbei. Auch mein demonstrativ nach vorn gerichteter Blick hält sie nicht ab, weiter zu grinsen. Das steigert nicht gerade meinen Eifer. Aber was soll ich machen, da muss ich durch!!! Jetzt laufe ich Umwege und was soll ich da sagen, auch da steht immer einer in der Gegend herum und scheint nur auf mich zu warten.

Zwischendurch musste ich einige Zeit aussetzen (die Gesundheit will auch ihr Recht, wirklich!) und da musste ich feststellen, mir scheint etwas zu fehlen. Es ist zwar nicht so, dass ich denke, ohne dieses Laufen kann ich nicht leben, aber ich freue mich dann immer, meinen „inneren Schweinehund“ mit einem Triumpfgefühl zu erschrecken. Da ich nicht täglich laufe, sondern nur wenn ich Lust dazu habe, denke ich dabei nicht an eine Gewichtsabnahme. Ich möchte einfach nur ein „Gutes Gefühl“ haben. Ich bin gespannt, wie lange es dauern wird, bis ich für diese Art der Fortbewegung keinen Spaß mehr empfinde.

Ach ja, der Auslöser für meine plötzliche Sportbegeisterung muss ja auch noch erwähnt werden. Es war eine junge Familie die gegenüber wohnt. Vater, Mutter und drei Kinder, davon ein wenige Monate altes Baby. Als ich sie das erste Mal vor vier Jahren sah, sahen beide Eltern recht gut „genährt“ aus. Es schien ihnen wirklich gut zu gehen. Die jungen Leute, so um die Dreißig herum, wirkten wie „Wonneproppen“. Und sie waren augenscheinlich glücklich, auch mit den „Rundungen“.

Im Sommer dieses Jahres, saß ich auf dem Balkon und frühstückte in aller Ruhe. Dabei genoss ich den Rundblick auf meine Blumen und war voller Entspannung. Plötzlich hörte ich schnelle Schritte und erblickte eine gertenschlanke junge Frau im Jogginganzug. Mir blieb der letzte Bissen fasst „im Hals stecken“ als ich erkannte, wer die flotte Joggerin war. Sie ging nämlich genau gegenüber in das Haus hinein in denen die junge Familie wohnt. Ich glaubte, dass ich nicht richtig gesehen hätte und wartete auf eine Gelegenheit die junge Frau wieder zusehen. Und sie kam, genau zehn Minuten später brachte sie den Müll heraus. Ich war sprachlos!!! Wie hatte sie es geschafft sich so zu verändern? Na ja, ich hatte sie bestimmt für längere Zeit nicht mehr gesehen (Arbeitszeit, Urlaub u. s. w.) aber trotzdem war es eine Überraschung für mich.

Was ich jetzt verrate, hab ich noch keinem Menschen erzählt! Ich habe das Frühstück stehen lassen, meinen Jogginganzug angezogen und bin einfach losgelaufen!!! Dabei dachte ich „was sie kann, kann ich auch“!!! Das ich das nicht lange durchgehalten habe, ist ja klar. Meine Kondition ist nicht die Beste. Und das Schlimmste an der Geschichte ist, auf dem Heimweg (roter Kopf, Haare stehen zu Berge und total atemlos) begegne ich auch noch meinem lieben, netten Nachbarn. Voller Wiedersehensfreude fragt er mich, ob ich das schon öfter gemacht habe und die wunderschöne Strecke um das Klinikum entdeckt hätte. Und er würde gerne mit mir mitlaufen. Na, da habe ich aber dumm geschaut. Er geht „spazieren“ denn er ist schon ein älterer Herr und macht seine Gesundheitsspaziergänge. Das war ja nicht gerade eine frohe Botschaft, ich muss ja wirklich wie auf einem Spaziergang dahergekommen sein.

Das war aber noch nicht Alles! Einige Zeit später fuhr ich mit meinem Mann per Straßenbahn in die Stadt (Parkplatzsuche umgehen). An der Haltestelle stand ein junger Mann der uns höflich grüßte und wir wussten nicht, wer er war. Bis es mir einfiel, es war der männliche „Wonneproppen“!
Auch er hatte sehr stark an Rundungen verloren und war nicht wieder zuerkennen. Ihn habe ich aber noch nie beim Joggen gesehen! Zuerst hatte ich Sorgen, dass ich von einem der beiden jungen Leute gesehen werde wenn ich mich auf meine Schleichwege begebe aber bisher sind sie mir noch nie begegnet. Darüber bin ich doch sehr froh!!!

Der Sommer ist ja nun vorbei und das Balkonfrühstück auch. Dabei hätte ich ohne die Entdeckung während des Frühstückens niemals meinen Jogginganzug angezogen und mich mit ihm der „Öffentlichkeit“ gezeigt. Schon um mich nicht als Nachbarin zu blamieren. Denn das ist ja eigentlich das Schlimme an der Geschichte, man versucht auch anderen Menschen „zu gefallen“. Warum nur?

Und nun noch mal zu mir. Wie schon verraten, bin ich 49 Jahre und habe mein Gewicht im Laufe von vier Jahren um vierzehn Kilo erhöht die ich vorher tapfer „entschlackt“ hatte (63kg – 77kg). Dabei bin ich „nur“ 1,62 cm groß! Also habe ich doch schon einige Rundungen dazubekommen, die ich eigentlich nicht mehr wollte.


by Goldkäfer




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