Eines Tages vor etlichen Jahren fuhr ich auf einen Parkplatz, um mir ein wenig die Beine zu vertreten.
Ein wenig Strecken und Recken, ein wenig hierhin und dahin gehen und frische Luft tanken.
Wie vom Donner gerührt blieb ich stehen!

Da hatte doch irgendjemand einen süßen, kleinen Hund an einen Baum gebunden und war einfach abgehauen.
Große, traurige Kulleraugen überzeugten mich Katzenfan davon, dass ich doch lieber einen Hund haben wollte - diesen Hund.
Ich ging näher ran und dieses putzige Kerlchen war gleich ganz zutraulich - es hatte sogar ein Halsband.
Also packte ich mir das Fellknäuel ins Auto. Wäre ich doch nur bei Katzen geblieben, hätte ich das doch nur nicht gemacht!
Nicht dass mein Vermieter ihn je bemerkt hätte, lediglich Freunde von mir erwähnten ihn ab und zu.
Zu Hause angekommen, nahm ich meine Neuerwerbung genauer in Augenschein und fand am Halsband eine Plakette mit dem Namen. Ich fand den Namen zwar etwas merkwürdig, liess mich aber nicht beirren, schliesslich kann er ja nichts für seinen Namen. Auf der Plakette stand "SCHWEINEHUND".
Von jenem Tag an begleitete er mich auf Schritt und Tritt, sogar in Geschäften - keinem fiel er auf - und wer hätte schon etwas gegen so ein süsses Kerlchen haben können? Er kannte sich übrigens gut in den Läden aus, fast besser als ich und zog mich schnurstracks vom Eingang zur Käsetheke, von dort zur Ecke mit dem Knabberzeug und dann zu den Süssigkeiten, er wusste halt, was ich mag, der Schlingel.
Zu Hause sorgte er für Bequemlichkeit, wärmte meinen Sessel am Fernseher und den Computerstuhl, apportierte sogar mein Knabberzeug, was für ein Schatz. Ich hatte mich nie gewundert, dass er nicht Gassi gehen brauchte, hielt ihn für einen begabten Hund, der das Geschäft auf dem Klo verrichtete.
Die Zeit verging, mein Hund wurde grösser, mein Hintern auch. Was für einen Appetit mein Hund hatte! Ehrgeiz, Motivation, Bewegungsdrang, sogar Eitelkeit - das war sein Leibgericht. Und was ich als Reste wegräumen musste waren Faulheit, Bequemlichkeit und Ignoranz - und die passten nie in die Mülltonne. Also blieben die Reste für mich.
Freunde wollten wissen, ob ich dieses Vieh (wie konnten die ihn nur als "Vieh" titulieren??) nicht mal irgendwann loswerden wollte (das war bestimmt der Neid!), aber mir gefiel es so.
Naja, gefiel vielleicht nicht, aber es war doch sooo bequem und Bewegung sicher nicht gut für die Gelenke. Und was sollte der arme Hund nur ohne mich machen?