Kurzgeschichte
Hallo Ihr. Ich dachte mir, wenn ich für mein Geschreibsel von nem professionellen Autor in nem Ferienkurs der Uni schon ne 1,1 als Note bekomm, kann ich das auch mal nem breiteren Publikum zugängig machen
Sollte aber vielleicht dazu sagen, dass er die Geschichte nicht selbst gelesen, sondern nur gehört hat (wir mussten alle unser Werk vorlesen) und selbst lesen, da beurteilt man ja doch nochmal n bissl anders, als wenn man's vorgelesen bekommt. Könnte gerne n bissl Feedback dalassen, würd mich freuen. Strukturell kann man sicher noch was verbessern und da nehm ich gerne konstruktive Kritik entgegen 
>>
Blaue Flecken
Sie liegt im Bett; den Blick an die Zimmerdecke geheftet. Ihr Kopf schmerzt, so wie jede Faser, jede Sehne, jeder Muskel ihres Körpers. Ihre Arme sind übersäht von blauen Flecken, an der Lippe trocknet grade ein kleines, blutiges Rinnsal. Die Augen brennen, sind blutunterlaufen. Sie kann nur ahnen, wie spät es ist. Draußen ist es dunkel. Nicht unüblich in der Nacht. Sie kann keinen klaren Gedanken fassen, stattdessen hört sie nur immer wieder seine Stimme. Zornig. Rasend.
"Ich bring dich um! Ich bring dich um!"
Sie hat das Gefühl zu ersticken, sie spürt förmlich, wie er auf ihr sitzt und mit seinen Fäusten auf ihr Gesicht einschlägt, als wäre es ein Boxsack. Wie ein Wahnsinniger.
"Ich bring dich um!"
Sein ganzes Gewicht drückt auf ihren Brustkorb, es gibt kein Entkommen.
Ihr Weinen, ihr Bitten, ihr Flehen dringt nicht zu ihm durch. Das Weinen wird zu einem Wimmern, weil ihre Kraft schwindet.
"Ich bring dich um!"
Er packt sie am Hals und drückt zu.
"Ich bring dich um!"
Ihr Bitten wird zum Gebet. Sie betet nie. Aber jetzt betet sie. Darum, dass es endlich zu Ende sei. Mittlerweile ist es ihr gleich, welches Ende es nimmt, nur es soll einfach Eines haben.
Die Tränen brennen in den feinen Rissen in ihrer Haut. Sie hat die Arme über dem Gesicht verschränkt, um sich zu schützen.
"Ich bring dich um!"
Nach einer kleinen Ewigkeit spürt sie, dass er müde wird, seine Schläge schwächer. Sich selbst spürt sie nicht. Er steht auf. Nach einem letzten Tritt in ihren Bauch verlässt er das Zimmer, die Tür fällt mit einem lauten Knall ins Schloss.
Noch Stunden liegt sie wie ein geschundener Hund am Boden, weint. Irgendwann sammelt sie die Überreste ihrer Kraft und Würde und schleppt sich auf's Bett. Das Bett, das sie sonst eigentlich mit ihm teilt.
Sie kann sich kaum bewegen, jeder Knochen schmerzt. Sie schämt sich, sie weint. Sie will schlafen. Sie kann nicht schlafen.
Ihre Augen schwellen mit jeder Sekunde merklich an.
Er hat sich ins Nebenzimmer zum Schlafen gelegt. Ob sie es riskieren kann, das Zimmer zu verlassen? Sie hat Angst. Aber es hilft alles nichts. Sie bewegt sich wie in Zeitlupe aus dem Bett. Vorsichtig. Damit die Schmerzen ihr nicht den letzten Funken Kraft rauben. Im Flur, gegenüber der Schlafzimmertür hängt dieser schicke Spiegel. Der Spiegel ist ein Schmuckstück, doch das, was sie darin sieht, zieht ihr den Boden unter den Füßen weg: ihr Gesicht voll von Kratzern, Rissen, Hämatomen. Im linken Auge ist eine Ader geplatzt, von den Schwellungen ganz abgesehen. Untertellergroße, blaue Flecken an Armen, Brust, Bauch... am ganzen Körper.
Sie fällt in sich zusammen, kniet vor ihrem elenden Konterfei, starrt durch sich selbst hindurch. Regungslos, emotionslos verharrt sie so eine ganze Weile.
"Ich bring dich um!"
Ihr Körper fühlt sich an, als wöge er eine Tonne. Behäbig und langsam geht sie steifen Schrittes zum Telefon, greift es und kehrt zurück ins Schlafzimmer. Sie wählt. 1 - 1 - 0. Sie legt auf; zweifelt, zögert. Wahlwiederholung. Diesmal legt sie nicht auf.
"Notrufzentrale, wie kann ich Ihnen helfen?" Als sie antworten will, spürt sie erst, dass ihr Mund völlig ausgetrocknet ist: "Ich brauche einen Krankenwagen", flüstert sie krächzend in den Hörer.
"Wie bitte? Ich versteh Sie nicht. Sie müssen schon lauter sprechen!" Sie zuckt zusammen. Sie hat das Gefühl, er könnte jedes Wort hören, dass aus ihrem Ende der Telefonleitung dringt: "Schhhhh...bitte! Ich brauche einen Krankenwagen!", flüsterte sie mit zitternder Stimme.
"Was ist denn passier?", will der Mann am Telefon wissen. "Ich kann ... nicht ... lauter... Bitte! Einen Krankenwagen!" Jedes Wort kostet sie so unendlich viel Kraft.
"Wo soll der Krankenwagen denn hinkommen?" Nur unter größter Kraftanstrengung und Konzentration gelingt es ihr, ihre Adresse durchzugeben. "Ich warte draußen.", sagt sie noch, als ihre Kraft sie endgültig verlässt und sich in einem neuerlichen Weinkrampf entlädt. Ängstlich versucht sie, lautlos zu weinen. Sie darf ihn nicht aufwecken! Unter keinen Umständen! Sie räuspert sich, sitzt ganz still, um zu hören, ob er sich regt.
Alles ist ruhig.
So gut es geht, schleicht sie wieder in den Flur: Handy, Schlüssel, Geldbeutel. Sie hält die Luft an, bleibt wieder einige Sekunden völlig regungslos.
So vorsichtig es irgend geht, öffnet sie die Wohnungstür. Die Tür ist alt, sie knarzt und quietscht. Immer. Aber grade tut sie es besonders laut. Ihr Atem stockt. Sie erstarrt. Stille.
Sie schleicht durch die Tür ins dunkle Treppenhaus, die Tür schließt sie mit dem Schlüssel statt sie zuzuziehen, um weiteren Lärm zu vermeiden. Sie atmet das erste Mal bewusst und tief ein.
Schon beginnen wieder Tränen zu fließen. Humpelnd müht sie sich die Treppen hinunter, sie wohnt im zweiten Stock. Ihre Bewegungen gleichen denen eines alten, gebrechlichen Mütterleins; und genauso fühlt sie sich auch. Endlich vor der Haustüre angekommen, lässt sie ihren Gefühlen freien Lauf: sie weint, sie schreit, sie tastet vorsichtig, zaghaft ihr geschwollenes Gesicht ab.
Die Straße vor ihrem Haus ist nass. Es muss geregnet haben. Eine ganze Zeit steht sie nur da und versucht ihre wirren, flirrenden Gedanken zu ordnen.
"Ich bring dich um!"
Sie zittert, vor Angst, vor Scham, vor Wut, vor Trauer.
Als der Krankenwagen um die Ecke biegt, kann sie sich kaum noch auf den Beinen halten. Was für einen traurigen Anblick sie wohl für die Sanitäter bieten musste!? Einer der beiden hilft ihr in den Wagen, misst ihren Blutdruck.
Plötzlich klopft es an der Seitentür - ihr Puls schnellt in die Höhe. Als der Sanitäter die Tür öffnet, steht davor zwei Polizeibeamte. Ein Stimmengewirr ertönt in ihrem Kopf, das sie eigentlich nur als dumpfes Brummen wahrnimmt. Wortfetzen dringen zu ihr durch: "der Freund?", "Anzeige", "Frauenhaus"... Richtig zuzuordnen weiß sie das alles nicht, sie fühlt sich hundeelend, müde, überfordert. Als sie aufsieht, blickt sie direkt in das Gesicht eines der beiden Polizisten: "Gute Frau, ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich hab schon Prügeleien unter Kerlen gesehen, die sahen hinterher nicht halb so ramponiert aus, wie Sie. Sie sollten den Kerl anzeigen."
Sie schüttelt den Kopf - oder was man in ihrem Zustand als 'schütteln' bezeichnen kann, denn eigentlich wiegt sie ihren Kopf nur einmal leicht und langsam nach links, dann nach rechts.
"Versteh ich nicht.", murmelt der Beamte und fragt dann laut: "Haben Sie ihren Ausweis?"
Während sie ihm den Pass reicht, will einer der Sanitäter wissen, ob sie denn Drogen irgendwelcher Art konsumiert habe. "Nein.", flüstert sie kaum hörbar. "OK, wir bringen Sie dann jetzt ins Krankenhaus, ja!?" Kraftlos deutet sie ein Nicken an.
Der Polizist gibt ihr den Ausweis zurück und ermahnt sie richtiggehend, sich die Sache mit der Anzeige nochmal zu überlegen.
Im Krankenhaus angekommen, wird sie von der Nachtschwester zum Augenarzt gebracht. Ein Sehtest ist fast unmöglich, denn ihre Augen sind mittlerweile so zugeschwollen, dass sie kaum noch etwas sehen kann. Die Haut spannt und ist so schwarz verfärbt, dass man meinen könnte, ihr ganzes Blut wäre aus jeder noch so feinen Ader jedes hintersten Winkels ihres Körpers in ihr Gesicht geflossen.
Die Lösung, die der Arzt ihr in die Augen tropft, brennt wie Feuer, das Licht, mit dem er ihr mitten in die Pupille leuchtet, blendet und sein Atem lässt zweifellos erkennen, dass er wohl ihretwegen grade aus dem Schlaf geholt worden war. "Sehen Sie mal nach oben." - "Oben geht nicht.", denkt sie sich, bemüht sich jedoch, seinen Anweisungen Folge zu leisten.
Nach schier endlosen Untersuchungen - "Sehen Sie mal nach oben ... O-BEEEEEN!", "Sehen Sie mal nach unten!", nach rechts, links - und etwaigen Warn- und Aufklärungsgesprächen über Netzhautablösung, mögliche Erblindung und ähnlich furchterregende Nachwirkungen durch massive Schläge auf den Kopf, bringt der Arzt sie einen Flur weiter. Zum CT.
Das erste Mal an diesem scheinbar nicht enden wollenden Abend kommt sie zur Ruhe. Sie legt sich auf die Liege, schließt die Augen - um sie zu entspannen, aber mehr noch, um ihre klaustrophobische Neigung unter Kontrolle zu halten - und wird schließlich, begleitet von einem irritierend beruhigenden Brumm-Ton, in die Röhre gefahren.
Sie würde jetzt so gerne einfach einschlafen, aber bevor sie diesen Gedanken zu Ende führen kann, bewegt sich die mechanische Bahre auf Knopfdruck der Neurologin schon wieder aus dem brummenden, summenden und auf seine Weise schützenden Kokon heraus.
"Das Gehirn hat keinen erkennbaren Schaden genommen."
Ihr fällt grade auf, dass das die ersten Worte sind, die die Ärztin mit ihr wechselt. Und auch die Letzten. Alles, wozu Frau Doktor sich noch herabließ, war ein nicht einordenbarer Blick, irgendwie abfällig; abschätzig. "Nicht, dass ich mich schon schlecht genug fühle...", denkt sie, während der Pfleger sie zurück zur Anmeldung bringt.
"Warten Sie hier einen Moment, ich bringen Ihnen noch schnell ihre Versichertenkarte."
Sollte aber vielleicht dazu sagen, dass er die Geschichte nicht selbst gelesen, sondern nur gehört hat (wir mussten alle unser Werk vorlesen) und selbst lesen, da beurteilt man ja doch nochmal n bissl anders, als wenn man's vorgelesen bekommt. Könnte gerne n bissl Feedback dalassen, würd mich freuen. Strukturell kann man sicher noch was verbessern und da nehm ich gerne konstruktive Kritik entgegen 
>>
Blaue Flecken
Sie liegt im Bett; den Blick an die Zimmerdecke geheftet. Ihr Kopf schmerzt, so wie jede Faser, jede Sehne, jeder Muskel ihres Körpers. Ihre Arme sind übersäht von blauen Flecken, an der Lippe trocknet grade ein kleines, blutiges Rinnsal. Die Augen brennen, sind blutunterlaufen. Sie kann nur ahnen, wie spät es ist. Draußen ist es dunkel. Nicht unüblich in der Nacht. Sie kann keinen klaren Gedanken fassen, stattdessen hört sie nur immer wieder seine Stimme. Zornig. Rasend.
"Ich bring dich um! Ich bring dich um!"
Sie hat das Gefühl zu ersticken, sie spürt förmlich, wie er auf ihr sitzt und mit seinen Fäusten auf ihr Gesicht einschlägt, als wäre es ein Boxsack. Wie ein Wahnsinniger.
"Ich bring dich um!"
Sein ganzes Gewicht drückt auf ihren Brustkorb, es gibt kein Entkommen.
Ihr Weinen, ihr Bitten, ihr Flehen dringt nicht zu ihm durch. Das Weinen wird zu einem Wimmern, weil ihre Kraft schwindet.
"Ich bring dich um!"
Er packt sie am Hals und drückt zu.
"Ich bring dich um!"
Ihr Bitten wird zum Gebet. Sie betet nie. Aber jetzt betet sie. Darum, dass es endlich zu Ende sei. Mittlerweile ist es ihr gleich, welches Ende es nimmt, nur es soll einfach Eines haben.
Die Tränen brennen in den feinen Rissen in ihrer Haut. Sie hat die Arme über dem Gesicht verschränkt, um sich zu schützen.
"Ich bring dich um!"
Nach einer kleinen Ewigkeit spürt sie, dass er müde wird, seine Schläge schwächer. Sich selbst spürt sie nicht. Er steht auf. Nach einem letzten Tritt in ihren Bauch verlässt er das Zimmer, die Tür fällt mit einem lauten Knall ins Schloss.
Noch Stunden liegt sie wie ein geschundener Hund am Boden, weint. Irgendwann sammelt sie die Überreste ihrer Kraft und Würde und schleppt sich auf's Bett. Das Bett, das sie sonst eigentlich mit ihm teilt.
Sie kann sich kaum bewegen, jeder Knochen schmerzt. Sie schämt sich, sie weint. Sie will schlafen. Sie kann nicht schlafen.
Ihre Augen schwellen mit jeder Sekunde merklich an.
Er hat sich ins Nebenzimmer zum Schlafen gelegt. Ob sie es riskieren kann, das Zimmer zu verlassen? Sie hat Angst. Aber es hilft alles nichts. Sie bewegt sich wie in Zeitlupe aus dem Bett. Vorsichtig. Damit die Schmerzen ihr nicht den letzten Funken Kraft rauben. Im Flur, gegenüber der Schlafzimmertür hängt dieser schicke Spiegel. Der Spiegel ist ein Schmuckstück, doch das, was sie darin sieht, zieht ihr den Boden unter den Füßen weg: ihr Gesicht voll von Kratzern, Rissen, Hämatomen. Im linken Auge ist eine Ader geplatzt, von den Schwellungen ganz abgesehen. Untertellergroße, blaue Flecken an Armen, Brust, Bauch... am ganzen Körper.
Sie fällt in sich zusammen, kniet vor ihrem elenden Konterfei, starrt durch sich selbst hindurch. Regungslos, emotionslos verharrt sie so eine ganze Weile.
"Ich bring dich um!"
Ihr Körper fühlt sich an, als wöge er eine Tonne. Behäbig und langsam geht sie steifen Schrittes zum Telefon, greift es und kehrt zurück ins Schlafzimmer. Sie wählt. 1 - 1 - 0. Sie legt auf; zweifelt, zögert. Wahlwiederholung. Diesmal legt sie nicht auf.
"Notrufzentrale, wie kann ich Ihnen helfen?" Als sie antworten will, spürt sie erst, dass ihr Mund völlig ausgetrocknet ist: "Ich brauche einen Krankenwagen", flüstert sie krächzend in den Hörer.
"Wie bitte? Ich versteh Sie nicht. Sie müssen schon lauter sprechen!" Sie zuckt zusammen. Sie hat das Gefühl, er könnte jedes Wort hören, dass aus ihrem Ende der Telefonleitung dringt: "Schhhhh...bitte! Ich brauche einen Krankenwagen!", flüsterte sie mit zitternder Stimme.
"Was ist denn passier?", will der Mann am Telefon wissen. "Ich kann ... nicht ... lauter... Bitte! Einen Krankenwagen!" Jedes Wort kostet sie so unendlich viel Kraft.
"Wo soll der Krankenwagen denn hinkommen?" Nur unter größter Kraftanstrengung und Konzentration gelingt es ihr, ihre Adresse durchzugeben. "Ich warte draußen.", sagt sie noch, als ihre Kraft sie endgültig verlässt und sich in einem neuerlichen Weinkrampf entlädt. Ängstlich versucht sie, lautlos zu weinen. Sie darf ihn nicht aufwecken! Unter keinen Umständen! Sie räuspert sich, sitzt ganz still, um zu hören, ob er sich regt.
Alles ist ruhig.
So gut es geht, schleicht sie wieder in den Flur: Handy, Schlüssel, Geldbeutel. Sie hält die Luft an, bleibt wieder einige Sekunden völlig regungslos.
So vorsichtig es irgend geht, öffnet sie die Wohnungstür. Die Tür ist alt, sie knarzt und quietscht. Immer. Aber grade tut sie es besonders laut. Ihr Atem stockt. Sie erstarrt. Stille.
Sie schleicht durch die Tür ins dunkle Treppenhaus, die Tür schließt sie mit dem Schlüssel statt sie zuzuziehen, um weiteren Lärm zu vermeiden. Sie atmet das erste Mal bewusst und tief ein.
Schon beginnen wieder Tränen zu fließen. Humpelnd müht sie sich die Treppen hinunter, sie wohnt im zweiten Stock. Ihre Bewegungen gleichen denen eines alten, gebrechlichen Mütterleins; und genauso fühlt sie sich auch. Endlich vor der Haustüre angekommen, lässt sie ihren Gefühlen freien Lauf: sie weint, sie schreit, sie tastet vorsichtig, zaghaft ihr geschwollenes Gesicht ab.
Die Straße vor ihrem Haus ist nass. Es muss geregnet haben. Eine ganze Zeit steht sie nur da und versucht ihre wirren, flirrenden Gedanken zu ordnen.
"Ich bring dich um!"
Sie zittert, vor Angst, vor Scham, vor Wut, vor Trauer.
Als der Krankenwagen um die Ecke biegt, kann sie sich kaum noch auf den Beinen halten. Was für einen traurigen Anblick sie wohl für die Sanitäter bieten musste!? Einer der beiden hilft ihr in den Wagen, misst ihren Blutdruck.
Plötzlich klopft es an der Seitentür - ihr Puls schnellt in die Höhe. Als der Sanitäter die Tür öffnet, steht davor zwei Polizeibeamte. Ein Stimmengewirr ertönt in ihrem Kopf, das sie eigentlich nur als dumpfes Brummen wahrnimmt. Wortfetzen dringen zu ihr durch: "der Freund?", "Anzeige", "Frauenhaus"... Richtig zuzuordnen weiß sie das alles nicht, sie fühlt sich hundeelend, müde, überfordert. Als sie aufsieht, blickt sie direkt in das Gesicht eines der beiden Polizisten: "Gute Frau, ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich hab schon Prügeleien unter Kerlen gesehen, die sahen hinterher nicht halb so ramponiert aus, wie Sie. Sie sollten den Kerl anzeigen."
Sie schüttelt den Kopf - oder was man in ihrem Zustand als 'schütteln' bezeichnen kann, denn eigentlich wiegt sie ihren Kopf nur einmal leicht und langsam nach links, dann nach rechts.
"Versteh ich nicht.", murmelt der Beamte und fragt dann laut: "Haben Sie ihren Ausweis?"
Während sie ihm den Pass reicht, will einer der Sanitäter wissen, ob sie denn Drogen irgendwelcher Art konsumiert habe. "Nein.", flüstert sie kaum hörbar. "OK, wir bringen Sie dann jetzt ins Krankenhaus, ja!?" Kraftlos deutet sie ein Nicken an.
Der Polizist gibt ihr den Ausweis zurück und ermahnt sie richtiggehend, sich die Sache mit der Anzeige nochmal zu überlegen.
Im Krankenhaus angekommen, wird sie von der Nachtschwester zum Augenarzt gebracht. Ein Sehtest ist fast unmöglich, denn ihre Augen sind mittlerweile so zugeschwollen, dass sie kaum noch etwas sehen kann. Die Haut spannt und ist so schwarz verfärbt, dass man meinen könnte, ihr ganzes Blut wäre aus jeder noch so feinen Ader jedes hintersten Winkels ihres Körpers in ihr Gesicht geflossen.
Die Lösung, die der Arzt ihr in die Augen tropft, brennt wie Feuer, das Licht, mit dem er ihr mitten in die Pupille leuchtet, blendet und sein Atem lässt zweifellos erkennen, dass er wohl ihretwegen grade aus dem Schlaf geholt worden war. "Sehen Sie mal nach oben." - "Oben geht nicht.", denkt sie sich, bemüht sich jedoch, seinen Anweisungen Folge zu leisten.
Nach schier endlosen Untersuchungen - "Sehen Sie mal nach oben ... O-BEEEEEN!", "Sehen Sie mal nach unten!", nach rechts, links - und etwaigen Warn- und Aufklärungsgesprächen über Netzhautablösung, mögliche Erblindung und ähnlich furchterregende Nachwirkungen durch massive Schläge auf den Kopf, bringt der Arzt sie einen Flur weiter. Zum CT.
Das erste Mal an diesem scheinbar nicht enden wollenden Abend kommt sie zur Ruhe. Sie legt sich auf die Liege, schließt die Augen - um sie zu entspannen, aber mehr noch, um ihre klaustrophobische Neigung unter Kontrolle zu halten - und wird schließlich, begleitet von einem irritierend beruhigenden Brumm-Ton, in die Röhre gefahren.
Sie würde jetzt so gerne einfach einschlafen, aber bevor sie diesen Gedanken zu Ende führen kann, bewegt sich die mechanische Bahre auf Knopfdruck der Neurologin schon wieder aus dem brummenden, summenden und auf seine Weise schützenden Kokon heraus.
"Das Gehirn hat keinen erkennbaren Schaden genommen."
Ihr fällt grade auf, dass das die ersten Worte sind, die die Ärztin mit ihr wechselt. Und auch die Letzten. Alles, wozu Frau Doktor sich noch herabließ, war ein nicht einordenbarer Blick, irgendwie abfällig; abschätzig. "Nicht, dass ich mich schon schlecht genug fühle...", denkt sie, während der Pfleger sie zurück zur Anmeldung bringt.
"Warten Sie hier einen Moment, ich bringen Ihnen noch schnell ihre Versichertenkarte."
Kommentare 6
Kommentare
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Veröffentlicht: 07.03.2010 um 14:28 von Karla
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Hi Karla, danke. Freut mich, dass du lesen mochtest
Mit dem offenen und unromantischen Ende wollte ich genau den Effekt erzielen, dass der Leser ein wenig irritiert ist erstmal. Schön zu wissen, dass mir das gelungen ist - wenngleich ich natürlich nicht möchte, dass du dich als Versuchskaninchen fühlst
Weitermachen werd ich - vielleicht kann ich bald meine nächste Story hier posten, allerdings ist die mittlweile schon so lang, dass ich die evtl "zerlegen" müsste...mal seh'n!
Danke für's Lesen und das Lob!!!
Veröffentlicht: 07.03.2010 um 19:09 von Jule23
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Veröffentlicht: 10.03.2010 um 11:07 von Erdbeerkaugummi
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Veröffentlicht: 10.03.2010 um 14:01 von Jule23
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Veröffentlicht: 11.03.2010 um 09:38 von Jule23









