Hallo,
ich bin neu in diesem Forum und habe mit Neugier die Beiträge hilfloser Mütter gelesen, deren Kinder "zu" dick sind.
Ich möchte euch einen kleinen Einblick in meine Lebensgeschichte gewähren und hoffe, dass ich euch hilfreiche Tipps geben kann, wie ihr mit euren Kindern in Zukunft umgehen könnt.
Ich war als Kind NICHT dick, aber es wurde mir immer suggeriert. Meine Schwester war immer das Püppchen und ich bekam ständig zu hören, dass ich der stabile Typ sei. Ich wollte aber nie der stabile Typ sein und irgendwann nahm die Katastrophe ihren Lauf. Ich sah im Fernsehen einen Bericht über Bulimie. Da ich eh ständig versuchte mein Gewicht zu reduzieren (dies war mein schlimmster Fehler), war der Bericht über Bulimie DIE Lösung für mich.
Schnell wurde die Bulimie zu meiner besten Freundin. Ich muß dazu sagen, dass die Bulimie bei mir in Schüben auftrat. Ich wehrte mich gegen sie, denn ich wollte es mit Disziplin schaffen abzunehmen. Ich habe von extremem Übergewicht (wegen Fressattacken) bis schlank sein (dünn war ich nie) alles durch. Anerkennung bekam ich nur, wenn ich mal wieder schlank war.
Ich habe gelitten wie ein Tier, denn meine beste Freundin (Bulimie) wurde irgendwann zu meiner größten Feindin. Ich fraß, ich kotzte, ich heulte. Ich war irgendwann an dem Punkt, dass mich der ständige Gedanke ans Essen wahnsinnig machte. Jeder Tag drehte sich nur darum was ich esse, ob ich esse, wo, wie, wann, warum.....
Mir ging es psychisch so schlecht, dass ich an Selbstmord dachte. Ich wollte nicht fett sein, ich hasste mich, selbst als mir bestätigt wurde dass ich schlank sei fand ich mich fett und hässlich. Mein Spiegelbild hatte sich verzerrt und ich hatte keine Liebe mehr für mich übrig. Die Wende kam, als ich mit dem Gedanken spielte mich und meine Kinder umzubringen. Die Kinder deshalb, weil ich dachte, dass es niemanden gibt, der sie besser durchs Leben bringen kann als ich. Dieser Gedanke erschreckte mich so sehr, dass ich mich für eine Therapie entschied.
Zwischenzeitlich hatte ich mir aber noch Fett absaugen lassen. Nach der OP weinte ich auch, weil ich mich immer noch fett fühlte.
Lange Rede kurzer Sinn, ich begann eine Gruppentherapie mit anderen essgestörten Frauen (Magersucht, Bulimie und Fettsucht). 2 Jahre mit Höhen und Tiefen. Ich habe es geschafft meine Bulimie zu besiegen. Ich habe nun Übergewicht, was mich zwar nicht glücklich macht, aber es haut mich schon lange nicht mehr um. Ich habe gelernt mich so zu lieben wie ich bin. Essen ist nicht mehr mein Feind, sondern Genuß. Ich bin mir meiner selbst bewußt und kenne meine Stärken und Schwächen.
Mein Sohn kommt vom Körperbau nach der Familie meines Mannes. Er kann essen was er will, er ist ein Leichtgewicht. Meine Tochter hat meine Veranlagung und nimmt schnell zu. Ich gebe zu, dass ich meine Tochter im Auge behalte. Ich möchte mit aller Macht verhindern, dass sie das gleiche Schicksal erleidet wie ich. Leider sieht die Realität anders aus. Sie ist im 3. Schuljahr und die Mädels treten schon in Konkurrenz mit dem Gewicht.
Es gibt knallharte Regeln in meinem Haus. Über Diät wird nicht gesprochen. Es wird auch niemals erwähnt, dass man/frau zu dick wird, wenn zu sehr zugelangt wird. Meine Tochter ist eine Naschkatze (sie ist jedoch schlank) und genau da setze ich an. Es gibt bei uns keine Süßigkeiten im Schrank. Am Wochenende bringe ich ein paar Kleinigkeiten mit (jeder sagt, was er haben möchte und dies ohne Limit) und wir machen uns einen schönen Familienabend mit Filmen und Leckereien. Meine Tochter liebt Camembert und Mozzarella, ich kaufe die Magerversion. Meine Kinder lieben Obst und Gemüse, also habe ich immer was im Haus und wir "schnibbeln" uns alles mundgerecht zusammen.
Jedes Kind durfte sich aussuchen welche Sportart es ausüben möchte und ich habe sie in entsprechende Vereine angemeldet. Ich bin selbst von Natur aus eine faule Socke, aber ich hebe mich aus dem Sofa und treibe mit den Kindern Sport. Wir spielen mit Papa Fußball, wir machen Spaziergänge und fahren Fahrrad. Wir faulenzen auch. Alles fließt locker in den Alltag ein, mal mehr mal weniger, aber immer ohne Stress und Zwang.
Wir sind keine super duper Familie, wir sind nicht viel anders als Andere, aber ich bin eine Mutter, die krank war und ist. Hätte ich ein gesundes Verhältnis zum Essen, hätte ich kein Übergewicht. Ich sehe es aber als großen Vorteil an, dass ich die Esstörung am eigenen Leib und in brustalster Weise erlebt habe. Ich habe schon zig Mütter über die Figur ihrer Töchter und über die Figuren anderer Kinder tratschen hören. Was mich aber wütend macht sind die Mütter, die schon bei ihren Babys an Diät denken, weil sie der Meinung sind, dass ihr Baby zu viel Speck hat.
Ich kann nur allen Mütter raten mit ihren Kindern zu sprechen. Hört euch ihre Sorgen an und überlegt gut wie ihr darauf eingeht und antwortet. Meine Tochter findet ihren Bauch zu dick, ihre Beine hässlich und und und. Mein Sohn weint weil er wegen seiner Sommersprossen und seiner Größe (er ist der Kleinste in der Klasse) gehänselt wird.
Als Mutter leidet man mit und ich sage ihnen auch, dass ich sie verstehe. Ich erzählte ihnen, wie ich als Kind gehänselt wurde und wie weh das tat. Ich erklärte ihnen, dass es immer einen Grund zum hänseln gibt, wenn man ihn denn finden will. Bei dem einen sind es die Ohren, beim anderen die Nase und und und. Ich sagte ihnen dass hänselnde Menschen unwichtig sind, denn wenn man von einem Menschen geliebt und gemocht wird, ist das Aussehen völlig unwichtig. Ich habe ihnen Beispiele aus dem eigenen Freundeskreis aufgezeigt. Nur die Menschen, die man lieb hat und die einen lieb haben sind wichtig, denn diese Menschen halten zu einem, egal was passiert.
Ich kann nur versuchen (und dies sollten alle Mütter tun) meinen Kindern Stärke und Selbstvertrauen zu geben. Mein Sohn kann super schnell rennen und ich habe ihm klar gemacht, dass dies eine große Stärke von ihm ist und genau dafür erhält er von seinen Klassenkameraden große Anerkennung. Der Kleinste der Klasse läuft allen davon. Er ist ein sehr hilfbereiter Junge und deshalb sehr beliebt. Meine Tochter ist auch sehr beliebt und wird oft eingeladen. Ich sagte ihr, dass es ein Zeichen von Beliebtheit ist, wenn sie eingeladen wird. Würde man sie nicht so mögen wie sie ist, würde sie nicht eingeladen werden.
Meine Tochter und ich machen uns hin und wieder einen Mutter Tochter Tag (sie ist

. Wir gehen bummeln, wir rühren uns eine Quark-Honig-Maske an und genießen ein "Schönheitsbad" mit Kerzenlicht. Ich berücksichtige ihre Wünsche beim Kleidungskauf und sage ihr wie toll sie in ihren neuen Sachen aussieht. Lob und Anerkennung und eine gesunde Portion Kritik, wenn sie übers Ziel hinaus schießen.
Ich gebe meinen Kinder das, was ich nie hatte. Ich sage und zeige ihnen, dass ich sie liebe. sie so liebe wie sie sind. Ich machen ihnen klar, dass es nicht wichtig für mich ist, wenn andere Leute ihnen sagen, dass ihre Mutter dick ist. Ich sage ihnen, dass mich die Menschen glücklich machen und mir wichtig sind, die mich so lieben wie ich bin. Mehr kann ich nicht tun. Ich kann versuchen ihnen starke Wurzeln mitzugeben und hoffen, dass sie sich selbst mögen. Sich selbst lieb zu haben ist der beste Schutz gegen alle Oberflächlichkeiten dieser Welt. Seine "Makel" als einen Teil des eigenen ICH´s zu sehen.
Wer Diät machen will, der soll es tun. Wer zu "dicke" Kinder hat, sollte sicherlich ein Auge darauf haben. Macht dies aber nicht zum sichtbaren Mittelpunkt eures Lebens und zum Mittelpunkt eures Familienfriedens. Kocht gesund, sagt aber nicht dass ihr es wegen einer Diät macht. Ihr habt einfach Lust auf einen leckeren Salat. Sagt euren "dicken" Kindern dass ihr Lust habt schwimmen zu gehen und euch freuen würdet, wenn sie mit kämen. Einfach nur, weil es zu zweit viel mehr Spaß macht. Sollen sie doch ruhig einen Freund oder Freundin mitnehmen. Geht in den Zoo, ins Kindermuseeum oder macht sonst was. Das lenkt vom Essen ab, schafft Bewegung. Laßt euch was einfallen, aber bitte nie mit dem Satz dass es wegen einer Diät oder weil das Kind zu dick ist.
Treibt eure Kindern nicht in eine Esstörung !!!!