Hallo Naschkätzchen !!!
Endlich ist Euer Thommy wieder im Lande und im Großen und Ganzen wohlbehalten retour... - ...ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich Euch alle vermisst habe und nicht zuletzt an den zahlreichen Mails und den privaten Nachrichten hier, sowie im benachbarten Rezepteforum kann ich erkennen, dass es der Einen oder Anderen Naschkatze ebenso ergangen ist und das ist doch zumindest mal schön zu wissen.
Nebenbei kann ich vermelden, dass ich in der Zwischenzeit und wohl nicht zuletzt aufgrund meiner anstrengenden Touren, die mich von Sumatra über die Nikobaren und Andamanen, nach Malaysia und Thailand und auch nach Sri Lanka geführt haben, meinen weihnachtlichen Speck losgeworden bin und nun wieder mein vorweihnachtliches Ausgangsgewicht von knapp 69 Kilo erreicht habe. Die indonesisch-thailändische, aber auch die indische Küche hat hier sicherlich sein Übriges beigetragen und ich kann allen abnehmwilligen Geistern die asiatische Kochkunst nur wärmstens ans Herz legen. In ihrer Vielfältigkeit und den besonderen Gewürz- und Zubereitungsarten, sei es Gemüse, sei es die vielen Obstsorten und auch tolle Fischkombinationen und wiedermal musste ich die Feststellung machen, dass die Küche in diesen Ländern vor Ort sich so vollkommen andersartig gestaltet, als man es hierzulande von seinen Besuchen beim "Chinesen", beim "Inder" und bei "Thailänder" her gewohnt sein mag. Allein die regionalen Unterschiede sind immens - immer wieder Neu und immer wieder interessant ! In jedem Fall habe ich mich mit zahlreichen Gewürzen und Kräutern eingedeckt, die ich so und hier bei uns kaum, nur selten, oder auch gar nicht finden kann; oftmals Gewürzmischungen, die man trotz aller Bemühung selbst so niemals hinbekommen würde...
Lustigerweise musste ich jedoch in einem der zahlreichen Camps an mehreren Tagen für etwas über 450 Menschen den Kochlöffel schwingen und dort war man ganz und gar versessen auf eine von mir gestaltete, asiatisch abgewandelte Form deutscher Hausmannskost - eine pikante Gemüsesuppe, sowie verschiedene Eintöpfe, welche besonders bei den Thailändern gut angekommen ist und im Grunde ist es ohne Belang, ob man nun für 3, für 50, oder für 500 Menschen kocht; es verändern sich halt die Dimensionen und mit ein wenig Übung kriegt man so etwas denn hin...
Natürlich war ich aber nicht als Koch unterwegs und wenn gleich die Katastrophe vom Dezember in der Zwischenzeit in den hiesigen Medien bestenfalls noch eine Nebenrolle einnimmt, so sind die Probleme, unter denen die Menschen in diesen Ländern zu leiden und sich zu arrangieren haben, noch immer riesig und es wird noch Jahre dauern, bis wenigstens wieder einigermaßen vertretbare Zustände dort eingekehrt sein werden. Die finanziellen Mittel sind, soweit ich es beurteilen kann, im Großen und Ganzen angekommen und es war u.a. eine meiner Aufgaben, für die Verteilung derselben und ihren sinnvollen Einsatz Sorge zu tragen. Vor allem muss die Hilfe koordiniert werden, denn hieran hapert es zumindest stellenweise sehr. Es bringt auch nicht das Geringste, weiteres Personal in diese Länder zu entsenden, denn jetzt ist es außerordentlich wichtig, den Menschen vor Ort durch eine übertriebene Form der Hilfsbereitschaft nicht die Arbeitsmöglichkeiten zu nehmen und was sich zum Teil außerordentlich ermüdend gestaltet, ist der Kampf mit dem Behördenapparat. So hatte sich beispielsweise eine sogenannte "Küstenschutzkommission" gebildet, die besonders im Bereich der ehemaligen Touristikzentren Phuket und in Banda Aceh "ihr Unwesen" getrieben hat, bzw. noch immer treibt und die vor allem aus Geschäftsleuten besteht, von denen die meisten mit der Touristikindustrie verbandelt sind. Hier geht es jedoch keineswegs um den Küstenschutz, wie die Namensgebung Glauben machen soll, sondern wesentlich mehr um den Schutz privater Finanzinteressen und persönlichem Profitstreben. So hat sich diese Kommission die gesamten Küstenstreifen untereinander aufgeteilt, um dort die zerstörten Freizeitzentren und Hotelanlagen wieder aufzubauen - an einen Wiederaufbau der ebenfalls in den Regionen zerstörten Fischerdörfer denkt man hier jedoch nicht; die in der Hauptsache vom Fischfang lebenden Menschen sollen stattdessen bis zu 5 Kilometer landeinwärts umgesiedelt werden. Was das für diese Menschen bedeutet, wird wohl Jeder mühelos ermessen können...
Nun sind wir vom IRK, bzw. den "Ärzten ohne Grenzen" recht autark und können somit weitgehend selbst entscheiden, wo und in welcher Weise wir helfen. Das Gleiche gilt für die Mitarbeiter des deutschen THW, die in den letzten Monaten in der Tat Unglaubliches geleistet haben und die vornehmlich im Bereich des technischen Wiederaufbaus der gesamten Infrastrukturmaßnahmen tätig gewesen sind. Straßen, Flugplätze, Schiffsanlegestellen, Hafenbecken, Wasserleitungen, sowie Wiederaufbereitungsanlagen für Frischwasser, denn die Herstellung der Hygienestandards gehören zu den wirklich elementaren Dingen. Ebenso gehören die Errichtung und der Betrieb der medizinischen Grundversorgung hier hinzu und zumindest kann ich in der Zwischenzeit wenigstens in diesem Bereich einige Erfolge vermelden. Große Sorge bereitet mir allerdings die psychotherapeutische Grundversorgung einiger Tausend schwer traumatisierter Menschen, denn gleich, wo ich mich in diesen Wochen auch dort aufgehalten habe; ich habe keinen Menschen getroffen, der nicht mindestens einen Familienangehörigen bei der Katastrophe verloren hat und hier sind die Meisten doch sehr allein gelassen worden. Ein großes Problem stellen auch die ethnischen Gruppen dar, die untereinander mit größtem Argwohn beobachten, wer von wem was und wie viel bekommen hat. Ein 30jähriger Bürgerkrieg hat eben seine unübersehbaren Spuren hinterlassen und so wiedersinnig es im Angesicht des allgemeinen Leidens auch für einen Außenstehenden klingen mag; den einzelnen Befindlichkeiten zwischen Singhalesen, Tamilen und Muslimen muss unbedingt Rechnung getragen werden und jede Form von christlicher Missionierung hat unbedingt zu unterbleiben. Vor allem muss strengste Neutralität gewahrt werden und selbst unscheinbare Handlungen können heftigste Verteilungskämpfe nach sich ziehen. Auch bei einigen der Sachspenden muss man sich manchmal leider an den Kopf fassen, denn so wurden z.B. in einen Ort bei Aceh, wo bekanntlich ein subtropisch heißes Klima vorherrschend ist, mehrere LKW-Ladungen mit u.a. Wollpullovern geliefert, wo mir dann auch nicht mehr sehr viel zu einfällt...
...in einer anderen Region erschienen (...und ich meine das jetzt in der Tat wörtlich...) Leute mit Bargeldkoffern, um irgendwelche wilden Bauvorhaben vom Zaun zu brechen, wobei die lieben Menschen aber nicht bedacht haben, dass es auch in diesen Regionen der Erde Bauvorschriften und Baugenehmigungsverfahren gibt mit dem Erfolg, dass zum Teil bereits errichtete Häuser wieder eingerissen werden mussten. Aber auch mit den erforderlichen Genehmigungen gestaltet sich das Leben dort nicht wirklich einfacher, denn die einzelnen Behördenvertreter untereinander sind sich auch nicht immer nur grün. So hatten meine Kollegen und ich einige höchst zähe Verhandlungen zu führen, da untergeordnete Distriktbehörden Genehmigungen erteilt hatten und eine übergeordnete Verwaltung nun die Ansicht vertrat, dass Vorgenannte hierzu nicht befugt gewesen ist. Die unheilige Bürokratie ist fürwahr keine rein deutsche Erfindung, wie man hierzulande manches Mal vielleicht annehmen mag.
Um aber hier keinen falschen Zungenschlag aufkommen zu lassen sei abermals ausdrücklich betont, dass alle Spenden gut angekommen sind und auch eine absolut sinnvolle Verwendung gefunden haben ! Auch ohne die zahlreichen Privatinitiativen wäre Vieles sicherlich kaum mach- und durchführbar gewesen und allen Menschen, die durch Sach- bzw. Geldspenden ihre menschliche Anteilnahme und ihre Solidarität unter sichtbaren Beweis gestellt haben, gebührt der allergrößte Dank der Helfer, vor allem aber der betroffenen Menschen vor Ort. So gibt es z.B. in Thailand noch immer das Tsunami-Freiwilligen-Zentrum, dessen Bestand eigentlich nur für die ersten Wochen nach der Katastrophe gedacht gewesen ist und die neben Bergung der Toten, Versorgung von Verletzten und dem Verteilen von Nahrungsmitteln eine wahrlich bewundernswerte Aufbauarbeit mitgeleistet haben. Auch weiterhin sind dort einige hundert Helfer tätig und man ist nun übereingekommen, den Bestand des Zentrums für mindestens noch ein weiteres Jahr zu sichern. Inzwischen konzentriert man sich auf den Bau von Möbeln und das Reparieren, bzw. den Wiederaufbau von Wohnhäusern, wobei es wie bereits gesagt besonders wichtig ist, die betroffenen Menschen in jene Arbeiten mit einzubinden und diese auch selbst entscheiden zu lassen, wie die entsprechenden Gelder zu verwalten sind.
Was mir natürlich größte Sorge bereitet, ist die weitere seismologische Entwicklung in der Region, denn bei meiner Ankunft fand auf Sumatra gerade ein heftiger Vulkanausbruch statt und auch in den Tagen danach waren immer wieder größere und kleinere Nachbeben zu verzeichnen, die leider nichts Gutes verheißen. Andererseits kann man natürlich nicht Tausende von Menschen einfach umsiedeln und so wird man wohl mit den Gefahren leben müssen; so wie es die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten aber nebenbei bemerkt bereits seit Menschengedenken tun.
Auch meine Arbeit ist noch lange nicht beendet, wobei ich mich allerdings auch noch um andere Projekte in der Welt zu kümmern habe; leider auch wiederum im Irak, wo ich auf meinem Rückweg einen zweitägigen Zwischenstopp einlegen musste, wobei sich hier natürlich offenbart, dass keine Naturkatastrophe so schlimm ist wie die, die der Mensch durch kriegerische Auswirkungen selbst hervorzurufen imstande ist. Jedenfalls konnten wir 60 Menschen nach Deutschland ausfliegen, die in Bagdad nicht in der medizinisch notwendigen Weise hätten versorgt werden können, doch über die Dinge, die hier noch auf uns zukommen werden, mag ich gar nicht weiter nachdenken...
Was ich jedoch im Moment ganz und gar extrem empfinde, ist der klimatische Unterschied - als wir Gestern in Bagdad abgeflogen sind, waren es dort knapp 36 Grad und auch in den Wochen zuvor war jenes Klima, in dem ich mich befunden habe, eher subtropischer Natur. Als ich dann heute Nacht im pfälzischen Ramstein die Maschine verließ, waren es dort gerade mal 4 Grad und es graupelte - irgendwie ist mir so, als sei hierzulande noch immer tiefster Winter ! Na ja - dass wird wohl in der kommenden Zeit besser werden...
Alles Liebe
Thommy... :sun:
