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Alt 02.07.2009, 22:00
Schwerwiegend
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Zitat von ninah Beitrag anzeigen
@ schwerwiegend: darf ich fragen, warum dich jura so ankotzt und warum du keine andere wahl hast?
Darfst du

Naja, also ich bin jetzt im 4. Semester. Die ersten 2 Semester hat es mir richtig Spaß gemacht - ich hab Strafrecht geliebt, BGB AT war auch noch okay... dazu gabs Ö-Recht, womit ich nie so wirklich viel anfangen konnte und weil ich auch erst um 3. Semester Klausur darüber geschrieben hab, hab ich das auch ziemlich vor mir hergeschoben und hatte schon im 2. Semester nicht mehr so richtig Überblick.
Das war das erste Mal, dass ich einfach nur das Fach wechseln wollte.
Dann kamen eine Hausarbeit und 2 Klausuren, mit 8, 8 und 5 Punkten (merke: aberratio ictus hat NICHTS mit der Kausalität zu tun. Dafür gabs 4 Punkte Abzug ) war ich sehr zufrieden und hab wieder Motivation bekommen. Also hab ich mich dran gemacht Ö-Recht nachzuholen, Klausur 7 Punkte.
Naja, danach kam wieder so ein absolutes Loch. Die meisten meiner Kommilitonen sind arrogante Klugscheißer mit denen ich einfach nicht kann - man wird blöd angeguckt, weil man in Jeans und Pulli rumrennt, ganz ohne Perlenkettchen und gegelte Haare, kein eigenes Auto und keinen Laptop hat.
Ich hab mich trotzdem zusammen gerissen, immerhin hatte ich ja noch Spaß an Strafrecht. Inzwischen nervt es nur noch. Völlig offensichtliche Sachen müssen wir definieren (Hallo? Natürlich ist ein Buch eine Sache, und natürlich ist ein Auto ein Fahrzeug, muss ich da ernsthaft jedes Mal diese verdammten Definitionen runterlabern? - Ja, sonst gibts Punktabzug. ), der neue Prof labert seinen Mist einfach nur runter, mitdenken brauchen wir nicht mehr. Wir lernen Polizeirecht und uns wird gesagt so wichtig sei es nicht - erst im Examen. Wir haben eine AG zur Vorlesung Verwaltungsprozessrecht - der AG-Leiter ist dem Prof jedes Mal weit voraus.
Für jeden langweiligen Scheiß gibts irgendwelche scheiß Meinungsstreits zwischen Literatur und Rechtsprechung.
Einige beneiden uns Juristen darum, dass wir nicht mehr als 2 Klausuren im Semester schreiben. Mich nervt es, weil ich nicht in der Lage bin, dann auch dranzubleiben. Weil ich nicht gefordert werde. In den Vorlesungen sitzt man stumpf da und hört zu, die Klausuren sind immer so weit weg, dass ich einfach nicht schaffe, mich täglich mit dem Stoff zu beschäftigen. Muss ich aber, sonst kommt im Examen irgendwann der Hammer.
Davon abgesehen wurde uns gleich zu Anfang gesagt, dass von 10 000 Jurastudenten vielleicht 600 das Examen machen (die andern würden alle vorher aufgeben weils zu anspruchsvoll sei) wobei nochmal die Hälfte durchfällt. Super motivierend, wenn auch wohl maßlos übertrieben.

Ergo nervt mich nicht nur das Fach, sondern auch ich mich selbst, weil ich glaube nicht für das Fach geschaffen zu sein und dementsprechend bin ich wahnsinnig unmotiviert und muss mich mittlerweile selbst in die Uni prügeln weil ich Aggressionen kriege, wenn ich nur "Hörsaal" oder "Vorlesung" höre.


Naja und eine Alternative hab ich nicht, weil ich eben auch schon 22 bin, eigentlich keine Zeit verschwenden will und finanziell so knapp bei Kasse bin, dass ich für eine Ausbildung nichtmal umziehen könnte, hier in der Stadt gibts nichts was mich interessieren würde. Anderes Studienfach fällt auch flach, interessiert mich alles nicht.
Wahrscheinlich mach ich mir selbst das Leben schwer. Aber diese Gedanken zu ändern hab ich bisher immer nur vergeblich versucht.