Mit dem Akzeptieren meine ich, daß man nicht jeden Tag diszipliniert sein kann und muss. Das ist einfach menschlich. Mag sein, daß es Leute gibt, die es ohne Essattacke schaffen, aber die haben dafür andere Schwächen (die können dann zum Beispiel im Kaufhaus nicht "nein" sagen und verpulvern ständig ihr Geld...nur als Beispiel). Es wird niemanden geben, der alles perfekt beherrscht. Du kannst sicher sein, daß er dir nur was vorspielt. Akzeptiere, daß Du heute den halben Kühlschrank leergefuttert hast und dass das nicht unbedingt toll war, aber auch kein Grund in eine alles-piep-egal-Stimmung zu verfallen. Das hat was mit Geschehenlassen ohne "Sich-Gehenlassen" zu tun. Du wirst sehen, daß die Essattacken deutlich weniger werden und zumindest nicht mehr diese Ausmaße annehmen.
Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen und weiß genau, wie Du Dich gerade fühlst. Auch ich hab früher in meinen "heißen" Phasen alle gegessen, was greifbar war. Das fing harmlos an. Erst ein Stückchen Schoki hier, dann eine Gurke da, dann eine Scheibe Schinken...ach warum nicht noch den Duploriegel hinterher...das ging so weit, daß ich vor Verzweiflung heulend vorm Vorratsschrank stand und, während ich extrem auf mich selbst Wut hatte, immer mehr in mich reinstopfte. Als nix essbares mehr da war, stand ich vor einer Entscheidung. Ich hatte 2 Möglichkeiten zur Auswahl:
1. kotzen gehen und mich der Gefahr einer Bulimie aussetzen - NEVER!
oder
2. morgen früh um 6.00 uhr aufstehen und mich mit 2 Stunden Extrem-Jogging selbst bestrafen. Ja, klang gut, und für den Moment hats mich zufrieden gestellt, dennoch war mir klar, daß ich das nicht durchziehen würde. Ich kenn mich dafür einfach zu gut.
Also kam ich irgendwann plötzlich auf die 3. Möglichkeit: ich habe akzeptiert, daß ich einen Fehler gemacht habe und diesen Tag einfach gedanklich aus dem Kalender gestrichen. Jeder neue Tag ist "jungfräulich" und es hindert mich niemand daran, morgen einfach ganz normal zu weiter zu essen. Ich habe keinen Abnehmtermin einzuhalten. Niemand steht mit der Stoppuhr hinter mir und sagt, ich soll binnen 2 Wochen 3 Kilo runterkriegen. Ich habe alle Zeit der Welt. Ich gehe mein eigenes Tempo und ich werde es schaffen. Dafür braucht mir niemand auf die Finger zu schauen und zu bewerten, auch nicht der strenge Richter in mir selbst. Ich konnte im selben Augenblick aufhören zu essen und war zufrieden mit mir. Und am nächsten Tag gings mir richtig gut. Anders als sonst. Ich war nicht frustriert oder gar demotiviert. Gestern war gestern und heute ist heute. Mit dieser Einstellung ist es leichter, sein Ziel im Auge zu behalten und die Diät nicht wegen eines Essanfalls sausen zu lassen. Nobody is perfect .

Wie gesagt, aus meiner Erfahrung sind die Essattacken damit sehr gut in den Griff zu kriegen.
Ps.: achso, das Ding mit der Waage. Ich befinde mich seit Wochen schon im "Wiegestreik". Die Waage steht unter meinem Bett und staubt ein. Interessiert mich nicht mehr. Für mich zählt nur, daß die Hose anfängt zu rutschen und die Bauchröllchen kleiner werden.
