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Hallo Lena,
also gerade der Punkt, dass du gern egoistischer wärst kenne ich nur zu gut. Ich bin zwar erst 24 und da hört sich "früher o.ä." manchmal bescheuert an. Aber als ich noch jünger war, bin ich jedem Konflikt aus dem Weg gegangen. Ich hab auch immer versucht es allen Recht zu machen. Wenn ich mich mit meinem damaligen besten Freund gestritten habe, habe ich mich grundsätzlich entschuldigt - auch wenn ER Mist gebaut hat!!!
Ich fand das immer sehr unfair, es hat mich belastet und mir weh getan. Aber ich hatte einfach Angst, dass ich Menschen verlieren könnte. Auch habe ich es meinen Exfreunden immer Recht gemacht. Grundsätzlich, wenn jemand im meinem Leben war, bei dem ich nicht "sicher" sein konnte ihn nicht zu verlieren (quasi alle anderen außer Familie) war ich lieber ruhig und - auf Deutsch gesagt - ein regelrechter Arschkriecher...
Das Verhalten habe ich über Jahre abgelegt, weil ich mit der Zeit immer öfter enttäuscht wurde (jaja, 24, aber ich war schon in der Grundschule so). Die "endgültige", große Veränderung war vor knapp 1 3/4 Jahren. Mein damaliger Freund und ich haben uns getrennt, mein damaliger bester Freund hat mir mehr oder weniger die Freundschaft gekündigt (nach über 8 Jahren!) und kurz danach ist noch meine Tante gestorben. OK, der Tod meiner Tanate hatte nur insofern was damit zu tun, dass ich emotional fertig war und darüber nachgedacht habe, was im Leben wichtig ist, etc. Doch der Verlust der beiden anderen hat mir sehr zugesetzt (der Tod meiner Tante natürlich auch!).
Ich hab mich gefragt, warum ich IMMER versucht habe es anderen Recht zu machen. Im Endeffekt bringt es ja doch nichts! UND DAS IST DER KNACKPUNKT:
Es bringt weder dir (ich meine das jetzt allgemein, nicht spezifisch dich - kenne dich ja nicht ;-D), NOCH DEN ANDEREN was. Du unterdrückst deine Bedürfnisse und die anderen gewöhnen sich daran. Man kann anderen irgendwann wahrscheinlich gar nichts mehr vorwerfen, wenn man sie selbst daran gewöhnt hat, dass man alles regelt...
Ich denke, deine (jetzt meine ich wieder DICH) Erfahrungen im Leben werden dein Verhalten schon beeinflussen und auch positiv verändern. Allerdings wünsche ich dir weniger schmerzhafte Erfahrungen als ich sie erleben durfte.
Denk doch einfach mal darüber nach, was ANDERE für DICH machen. Und auch wenn es weh tut, und du vielleicht Angst haben solltest, überwinde deine Angst und sag "Nein". Wenn du deine Bedürfnisse zurückstellst, wirst du damit auf Dauer (und es kann lange dauern) nicht glücklich. Und es ist auch für keinerlei Beziehung gut glaube ich.
Ich jedenfalls bin durch den Vorfall von damals etwas zu egoistisch geworden. Daran muss ich arbeiten. Und es ist eine Verhaltensweise von damals übriggeblieben. Ich betreibe immer "Arschkriecherkritik" (bitte entschuldige die Wortwahl, ich empfinde es so). Ich möchte/muss jemand anderes kritisieren und mache das immer sehr vorsichtig und mit Rechtfertigung. Völlig überflüssig! Denn vernünftige Kritik ist was gutes. Und viele andere Leute achten auch nicht darauf, WIE sie mich kritisieren.
Also, langer Text, aber vielleicht hat er dir ja ein wenig Mut gemacht.
Liebe Grüße! Du wirst deinen Weg schon machen!
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