Hallo zusammen,
das ist das erste Mal, dass ich diesen Thread hier sehe, aber ich muss gestehen, dass ich immer wieder den Faden verloren habe, regelmässig ins Forum zu kommen.
Das könnte daran liegen, dass ich mich bisher nicht wirklich geoutet habe, aus Angst, hier abgestempelt und abgeschoben/ausgeschlossen zu werden. Ich bin nämlich ebenfalls bulimisch. Esssgestört schon mein halbes Leben lang, so blöd das klingt, aber angefangen hat es mit 11 - und mit 12 fing ich an zu erbrechen. Mit 13-14 kamen dann die "richtigen Fressanfälle" dazu, unter denen ich stellenweise heute auch noch leide. Allerdings bin ich schon sehr lange in Therapie und tu einiges dagegen, also was das betrifft, möchte ich mir garkeine Vorthaltungen machen lassen müssen. Ich arbeite hart daran - und ich habe für mich persönlich schon sehr, sehr viele Fortschritte gemacht! Gott sei Dank...

... manchmal bleibt die Hoffnung sogar, dass es irgendwann mal ganz "auskuriert" sein könnte..
Meine Beobachtungen zum Thema FAs:
FAs, die durch Ärger entstehen [Schule, Job, Beziehung..]
-> meistens ist dabei der "Druck" nicht besonders langzeitig, aber intensiv. Bei mir jedenfalls. Beispielsweise wenn ich mich gerade aufrege über irgendwas - oder Zoff mit meinem Freund hatte - und einfach geladen bin. Dann heisst es oft:
aushalten und
ablenken, aber wie? Patentrezepte gibt es auf keinen Fall, aber in dem Moment hilft mir oft, zu putzen. Und nein, ich bin KEIN Putzteufel.

Aber Staub saugen, Boden wischen, heiss spülen - all das lässt ein bischen Energie raus, bringt einem zum "schwitzen" & man hat ein sichtbares Erfolgserlebnis und fühlt sich wohl in seiner Butze - wiiichtig. Ich schätze, ähnliches könnt man mit Sport erreichen, aber ich persönlich hab das in Stresssituationen bisher nie hinbekommen.
FAs, die aus Überforderung entstehen und Pflichten verschieben
-> z.B., weil man für eine wichtige Prüfung o.ä. viel tun muss (oder beispielsweise Bürokratenstapel vor sich liegen hat)und irgendwann den Kopf dicht hat - oder schon bevor man was tut und sich gedanklich dermaßen stresst, dass man "lieber frisst" und so seine Zeit auch rumkriegt und eine miese Ausrede hat. Klingt hart, aber das habe ich bei mir stellenweise beobachtet. Da hilft es mir: Struktur aufstellen. Was tue ich wann, was hat die höchste Priorität, was muss bis wann genau fertig/gemacht sein und vor allem: WO hast du noch Platz, um dir ne Ruheinsel einzubauen. Um sich mit Freunden auf n Kaffee zu treffen, um einen Mittagsschlaf zu halten oder irgendwas, das einem während einer solchen Phase gut tut. BEWUSST also an sowas rangehen und Gedanken wie "schaff ich eh nie" verbannen - das ist nämlich in 80% der Fälle Schwachsinn. Mit Organisation geht alles - und dafür kann man sich ruhig mal 20 Minuten Zeit nehmen.

)
FAs, die aus Traurigkeit entstehen
-> find ich ganz furchtbar, weil man automatisch so passiv ist. Und weil Traurigkeit bei mir meistens in totaler Verzweiflung endet. Ansonsten bin eher sauer. *grinsel* Manchmal hilfts dann, richtig klischeehaft zu sein: Klorolle auf den Wohnzimmertisch gestellt, in der Videothek 3 Schnulzen oder Dramen ausgeliehen, und
flennen bis man einpennt. Was raus muss, muss raus. Manchmal hilft auch Auseinandersetzung: schreiben, malen, darüber reden (ab zum Telefon und die beste Freundin/den besten Kumpel angerufen) - aber das ist eben, wie alles, immer unterschiedlich und muss man austesten. Oder man schläft einfach mal ne Weile, wenns gar nicht anders geht.
FAs, die aus Ess/Gewichtsfrust entstehen
-> die unlogischsten FAs überhaupt! Man hat zugenommen oder einen Abend lang sehr viel gegessen und schiebt Frust. Man kommt in die Scheissegalschiene und stopft noch was oben drauf. Im Grunde genommen fühlt man sich danach oder schon dabei nur noch schlechter als eh schon, aber man machts trotzdem immer wieder. Ich bin fett, ich bin weich, ich bin unförmig, klobig, bääääähhhh... -> und trotzig wie ein Kind greift man zur Schoki. Bringt gaaarnix. Konfrontation: statt im Körperfrust zu versinken, ausgiebig duschen. Gesichstmaske, Haarkur, Rasieren, Bodylotion mit dem Lieblingsduft und die Gedanken: "Du bist schon ok so wie du bist, armes Körperlein, ich maltretiere dich heut nicht mit Fressen" Er wird es einem danken!
FAs aus Langeweile oder Unzufriedenheit mit dem Leben an sich
-> Hobbys suchen, wenn man keine hat, oder einfach neue Dinge ausprobieren, die einen evtl. glücklich machen könnten. Und wie auch beim "ersten Mal" auf sexueller Ebene: es ist NIE gleich supertoll. Das kommt erst mit der Zeit. Also nicht sofort aufgeben und abwehren, sondern probieren...
FAs aufgrund falscher Idealvorstellungen oder Ernährung
-> NICHT alles verbieten. Es GIBT imho keine bösen Nahrungsmittel. Auch Schokolade ist ok. In Fachkliniken bekommt man täglich eine handvoll Süßes. Zum Mittag gibt es mehr Gemüse, als Beilagen, aber auch Nachtisch (Quarkspeisen, aber auch mal Eis oder am Wochenende n Teilchen). Gefrühstückt wird ausgiebig. Kohlenhydrate sind NICHT grundsätzlich böse. Fett auch nicht. Wir sind Menschen, wir haben Körper, wie brauchen alles davon - aber eben nicht in UNMengen, sondern in normalen Mengen. Crash- oder Monodiäten sucken also schonmal total. Regelmässige Mahlzeiten; Genuss; Gesellschaft; aber auch das Bewusstsein, dass man seinem Körper Vitamine und Co zufügen muss. Die Mischung macht's auf jeden Fall.
Sö.. mehr fällt mir spontan leider nicht ein. Wie gesagt, keine Patentrezepte. Man muss ziemlich viel ausprobieren und selbst dann kommen FAs manchmal eben doch noch. Mal mehr, mal weniger..